Müssen eigentlich alle Unternehmen agil werden?

Der Markt wird’s schon regeln...!?

Ob interessiert oder genervt – die Frage wird jedenfalls häufig gestellt: Müssen wir jetzt alle agil werden? Kurz und flapsig könnte die Antwort lauten: Der Markt wird’s schon regeln … Aber um zu verstehen, welche Märkte da wirken, braucht es dann doch die lange Antwortversion.

 

Theoretisch gesehen sind die althergebrachten Managementinstrumente auf berechenbare, sich langsam und eindimensional verändernde Märkte die richtige Antwort. In solch einem Umfeld ist es rational, Lernerfahrungen in Richtlinien, Prozessen, Handbüchern und so weiter abzulegen, die beste Fachkraft zur Führungskraft zu machen und genau zu kontrollieren, dass alle sich an die Vorgaben halten. Nun wird von den Verfechtern von Agilität ins Feld geführt, dass die Märkte sich ja heute viel schneller und disruptiv verändern, unberechenbarer werden und man deshalb andere Wege der Unternehmensführung benötige, die nicht mehr auf Effizienz, sondern auf Schnelligkeit getrimmt sind.

 

War früher wirklich alles gut?

Das unterstütze ich alles. Nur glaube ich, dass viele der alten Rezepte auch schon in der alten Welt nicht wirklich funktioniert haben. Wenn ich überlege, wie lange ich früher auf Entscheidungen gewartet habe, die dann nicht mal gut waren. Wenn ich überlege, wie sehr wir uns mit unseren internen Prozessen selbst verwaltet haben, ohne einen Kundennutzen zu erzeugen. Wenn ich überlege, wie frustriert viele Kollegen über Entscheidungen und Aufgaben waren, die ihnen total sinnlos erschienen. Zusammenarbeit zwischen den Silos wurde immer gefordert, aber durch die Kennzahlensteuerung war dann doch jeder dazu gezwungen, nur auf seinen Bereich zu schauen. Wie sehr wurden wir als Mitarbeiter gegängelt und wie kleine Kinder behandelt! Da wundert es mich nicht, dass viele meiner früheren Kollegen nur zur Arbeit gekommen sind, um Geld zu verdienen.

 

Es gibt nicht nur einen Markt

Damit kommen wir zu einem weiteren Markt, der bei den obigen Überlegungen immer übersehen wird: den Bewerbermarkt. Dieser wird immer enger. Und wenn ich es mir aussuchen kann, bei einem Unternehmen zu arbeiten, das mich in ein Korsett quetscht, meine kreative Mitgestaltung ausbremst, mir sagt, was ich zu tun habe, mir gleichzeitig bei vielem der Sinn unklar bleibt, und einem Unternehmen, bei dem Purpose, Autonomy und Mastery im Vordergrund stehen – da muss ich nicht lange überlegen, oder?

 

Respekt!

Ich gehe aber noch einen Schritt weiter. Die rationalen Begründungen, wie Digitalisierung, Veränderung der Märkte, demografischer und Wertewandel, sind mir persönlich ziemlich egal. Ich finde es einfach richtig, Menschen als Erwachsene zu behandeln. Menschen sind kompetent und intelligent, wollen Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und entwickeln sich permanent weiter. Wir sind keine Roboter, denen man genau sagen muss, was sie tun sollen. Als Menschen haben wir Vertrauen und Respekt verdient. Und mal ganz ehrlich: Wir stellen die Besten der Besten ein und dann sagen wir ihnen, was sie tun sollen?!

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