Onboarding bei den Pionieren im Selbsttest (Teil 2)

Fahrt aufnehmen

Was denkt sich so ein Mitarbeiter eigentlich? Das ist oft die Frage, die Personalern nicht beantwortet wird. Daher machen wir das hier mal transparent: Wie kommt agiles Onboarding bei unserer neuen Kollegin Wiebke an? Der zweite Teil der Enthüllung.

 

Monat eins ist rum und es fühlt sich an, als sei ich schon ewig hier. Ungewohnt: Bisher gibt es keine Punkte, die mich wirklich stören. Immer, wenn sich aus gelerntem Misstrauen heraus ein minimaler Zweifel an mich heranschleicht, geschieht etwas, das diesen umgehend ad acta legt. Vieles klärt sich, als André uns Neuen die Geschichte der HR Pioneers erläutert und einen ersten Einblick in seine Vision gibt. Dabei erklärt er ganz offen, aus welchen Gründen Menschen die Pioniere auch schon verlassen haben, und aus welchen gesunden Verbindungen teilweise rekrutiert wurde. Es ist beeindruckend, wie schnell und dennoch organisch die Pioniere gewachsen sind. Die Vision deckt sich mit dem äußeren Erscheinungsbild: Es geht um Werte, um Menschen. Geld ist in dieser Firma Mittel zum sinnhaften Zweck. Ich bin dabei und habe Learning Nummer 3: Transparenz schafft Vertrauen und eine gemeinsame Basis. Eine Binsenweisheit, aber leider immer noch selten befolgt.

 

Learning No. 4: Selbstorganisation braucht Zeit

Mein Bauchgefühl wird mehr und mehr zum Kompass. Und es sagt mir, dass 20 Stunden pro Woche nicht reichen. Denn was ich nicht bedacht hatte: Die Aufgaben, die normalerweise die Führungskräfte beackern, liegen bei uns in den Händen des Teams. Und so fallen an allen Ecken und Enden Arbeiten an, die nicht zum eigentlichen Themenfeld der Kommunikatorin gehören. Dazu kommen noch Weiterbildung, die bei den Pionieren regelmäßig betrieben wird, und die fluiden Teams. Ich frage André, ob ich die Stundenzahl auf 28 erhöhen kann. Klar. Ab sofort? Ja. Und wieder einmal frage ich mich: Warum ist hier alles einfach?

 

Einblick ins Training

Weiter geht es mit dem Onboarding, das erste Training steht an. André beackert in Stuttgart das Thema „Agile Organisationsstrukturen“. Thematisch ein guter Einstieg für mich. Aber es gibt noch mehr kennenzulernen: André selbst und meinen Kollegen Bernd, der ebenfalls hospitiert. Darüber hinaus natürlich unsere Kunden und ihre Bedürfnisse. Wir werden von André sofort eingebunden. Die Gruppe bearbeitet reale Themen aus den Unternehmen der Anwesenden. André geht auf jeden Teilnehmer spontan einzeln ein, Bernd ergänzt aus seinen Erfahrungen, jeder findet hier Resonanz. Beeindruckend ist aber auch die Leidenschaft, mit der die Teilnehmer selbst an Lösungen für die Unternehmen der anderen mitbauen.

 

Mein allererstes Lab

Dann kommt die Königsdisziplin: Das Lab steht an. Ein Höllentrip wurde mir angekündigt, Diskussionen und am Ende: Gruppenkoller. Doch es wird alles ganz harmonisch. Besonders die Feedback-Runde von allen für alle ist beeindruckend. Ich persönlich habe so etwas noch nie erlebt.

In krassem Gegensatz zum eher flexibel flowigen Arbeiten im Büro, geht es im Lab stark getaktet zu. Die Themen müssen besprochen werden, teils in großer Runde, teils in Pausengesprächen mit einzelnen Kollegen. Schließlich sehen wir uns nicht allzu oft in voller Runde, da brennen allen Fragen auf den Nägeln. Abends dann ebenfalls Programm, Taxifahrten für die ganze Horde müssen rappzapp organisiert, Züge umgebucht werden, sprich: Immer wieder werden in Windeseile von 20 Menschen Entscheidungen getroffen. Hier ist dann Learning Nummer 5 glasklar: Auch wenn es viel Spaß macht – agiles Arbeiten ist kein Ponyhof, sondern harte Arbeit!

 

Immer diese Kommunikation

Einen ersten Eindruck hatte ich davon schon in Townhall und Coffee gewonnen. Die finden regelmäßig in den Monaten statt, in denen kein Lab ist. In einer Kölner Location der Wahl kommen alle Pioniere zusammen und besprechen, was ansteht. In einem Unternehmen, in dem viele im Home Office und über ganz Deutschland verteilt arbeiten, müssen andere Kommunikationswege beschritten werden als gemeinhin üblich. Und das ist auch ein Lernprozess: Wann nutze ich welchen Kommunikationskanal? E-Mail, Slack, Trello oder Whatsapp-Gruppe? Braucht es ein Meeting? Per Telefon oder persönlich? Rufe ich einfach mal an? Das Schöne an der Sache: Alle machen sich darüber Gedanken, nicht nur die Neue. Und dann wird das einfach mal besprochen und meist letztendlich so gemacht, wie man es intuitiv von Anfang an machen wollte. Wenn sich alle aufs Bauchgefühl verlassen, ist man auch auf einer Wellenlänge. Geprägt von meinen Erfahrungen warte ich jedoch immer noch darauf, dass sich mal jemand beschwert: Warum hast Du Kanal xy genommen, hat mich voll genervt – oder sowas in der Art. Aber: Ich warte vergeblich.

Onboarding vs. Daily Biz

Dafür gibt es eine erste andere Irritation: Im Townhall melde ich mich zu einem HRP-Entwicklungsthema zu Wort und das scheint gar nicht mal so erwünscht. Wo sich mir die Frage stellt: Wann sollen wir alle mitreden und mitentscheiden und wann nicht? Gibt es da Richtlinien? Damit fällt mir nach zweieinhalb Monaten wieder die „Checkliste Einarbeitung“ ein. Oha. Draufgeschaut und mitgemacht. Ich frage Sonja und Nina wegen diverser Themen an. Erfreulicherweise sind die Menschen hier ja wendig: einfach direkt Termin gemacht, fertig. Sonja erläutert die Rollen und Teams, nimmt Ungeklärtes ins Pioneers Development Team mit. Ich bin auch nicht die Einzige, die über dem alltäglichen Tun mit dem Onboarding geschlampt hat: Meine Kollegin Alina klinkt sich ein.

Es ist der Tribut, den wir dafür zahlen, dass wir uns direkt ins Alltagsgeschäft gestürzt haben. Was auch seine Vorteile hat: So langsam gehen Abläufe schneller vonstatten. Anfrage? Bearbeitet. Ansprechpartner für Thema gesucht? Gewusst, wer passt. Trello Board umgeräumt – geschafft. Und auch endlich den Stapel Fachzeitschriften durchgelesen. Eine Bahnfahrt hatte es möglich gemacht. Apropos Freizeit: Ich treffe frühere Kolleginnen wieder. Sie behaupten, ich sähe entspannter und jünger aus. Na bitte. Frischzellenkur mit den Pionieren, Anti-Aging mit Gehalt. Hoffentlich kommt André nicht auf die Idee, mir die Kosten für den Wellnessurlaub abzuziehen.

 

Resonanzgespräch No. 2

Dann steht Resonanzgespräch Nummer zwei an. Es zeigt sich, wie lernfähig die Pioniere sind: Ich bin mit Stift und Block ausgerüstet, um meine Feedbacks mitzuschreiben. Franzi und Esther hingegen haben sich nach Lesen meines ersten Blogbeitrags vorgenommen, zunächst die Kritik loszuwerden, damit ich mich danach auf das Positive konzentrieren kann. Sie haben Feedbackbögen (jetzt sechs, vielen Dank!) ausgewertet und stark nachgedacht – aber nichts Negatives gefunden. Nichts, was nicht passen würde; alles ist so, wie man sich das vorgestellt hat. So kann es gehen, wenn man von Anfang an offen miteinander spricht – Learning Nummer 6. Aber ein bisschen langweilig für den Blog hier ist das schon. Ich entschuldige mich an dieser Stelle also bei den Lesern, die sich ein bisschen mehr Dramatik gewünscht hätten. Vielleicht leiste ich mir im nächsten Onboarding-Sprint mal einen Fauxpas – einfach nur so für die Story?

Was mich besonders freut ist die Tatsache, dass meine Kollegen sich durch meine Schreibe gut repräsentiert fühlen. Indem ich mich auf meine Intuition verlasse, fange ich den Spirit hier offensichtlich gut ein und kleide ihn authentisch in Worte. Schöneres kann man mir nicht sagen, denn genau so soll es sein! Ich persönlich bin froh und dankbar, so authentisch schreiben zu dürfen. Nicht jedes Unternehmen erlaubt das. Bisher hieß es meist: „Das kann man doch nicht machen.“

Von meiner Seite aus kann ich sagen, dass ich mich weiter perfekt unterstützt und sehr wertgeschätzt fühle – wofür ich zutiefst dankbar bin. Ich muss jedoch noch an meiner ganz persönlichen Selbstorganisation arbeiten. Da bin ich anderes von mir gewohnt, aber ganz ehrlich: E-Mail-Programm und Kalender von Apple sind einfach nur Mist! Dazu kommen Slack und Trello und Co. – die sind prima, aber ich muss mich erst noch dran gewöhnen. Zudem vergrößert sich unser Marketing-Team weiter (Herzlich willkommen, Tom!) und die ganze Organisation ist im Wandel. Also darf ich wohl nicht zu viel von mir erwarten. Trotzdem! Anfang des Jahres muss das besser laufen.

 

Learning No. 7: Mach mal Pause!

Anfang des Jahres hört sich gut an. Ich freue mich dermaßen auf die Weihnachtstage! Endlich mal kein Input, keine neuen Ideen von allen Seiten und eine Pause im Kennenlernen der 20 wunderbaren Menschen hier um mich herum. Zeit, um nachwirken zu lassen, was die ersten Monate an Fülle für mich bereithielten. Das Leben als Pionier ist erstaunlich intensiv. Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich mich in der Prärie wähne. Und eine alte Indianerweisheit besagt, dass bei einer Reise die Seele auch hinterherkommen muss. Die Zeit nehme ich mir. Wobei jetzt schon klar ist, dass ich Smartie, mein Diensthandy, wohl nicht zu lange aus den Augen lassen werde: zu gewohnt schon das Gefühl, dass der nächste Kollege nur eine Whatsapp-Nachricht entfernt ist. Zu stark der Wunsch, ein Erlebnis mit den Kolleginnen zu teilen.

Und damit es nicht heißt, ich würde ganz unausgewogen nur über gute Dinge schreiben, verabschiede ich mich mit dem zweiten schlechten Witz der Onboarding-Reihe: „Was sitzt auf dem Baum und winkt? Der Huhu.“ bis zum Resonanzgespräch No. 3 …

 

Wer nochmal nachlesen möchte, wie der erste schlechte Witz lautete: Hier geht’s zum Onboarding-Bericht Nummer 1.

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