Onboarding bei den Pionieren im Selbsttest (Teil 3)

Auf hoher See

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Dieser Beitrag ist ein Teil der Blog-Reihe “Onboarding bei den Pionieren im Selbsttest“ (Teil 1, Teil 2).

In der Literatur ist es ein Stilmittel, das Ende einer Geschichte bereits am Anfang vorwegzunehmen, damit der Leser sich ganz auf die Entwicklung konzentrieren kann. Also sei hier bereits gesagt: Auch das dritte Resonanzgespräch verlief beidseitig zufriedenstellend und mit Happy End. Die Probezeit ist vollbracht, Home Run.

Und da haben sich meine Kolleginnen natürlich gefragt, ob das in so einem Fall wie meinem überhaupt Sinn ergibt, den Resonanzprozess konsequent durchzuziehen. Wenn man sich eh „nur“ bestätigt, dass alles läuft und man froh um einander ist. Ich glaube, ja.

Learning No. 8: Feedback ist immer sinnvoll

Wiebke - NamensschildDenn sonst hieße es, dass es nicht wichtig ist zu kommunizieren, wenn es keine Probleme gibt. Wenn man mit etwas zufrieden ist oder etwas gut findet. Ich selbst bin ein sehr kritischer Mensch und finde es wichtig, sich einzumischen. Irgendwann habe ich das mal hinterfragt und bin zu dem Schluss gekommen: Ich darf das. Aber nur, wenn ich auch Positives von mir gebe. Fair ist fair. Zumal das meist sogar mehr Wirkung zeigt. Man kann zudem davon ausgehen, dass andere Menschen genauso unsicher sind wie man selbst — gerade in Anbetracht der Tatsache, dass viele soziale Normen und Regeln heutzutage nicht mehr gelten, sondern alles individualisiert ist. Da hilft es doch, wenn Feedback kommt: „Fand ich gut, dass …“, „Es hat mir total geholfen, als …“,“Danke, dass Du … Deswegen war es mir möglich, …“ und vor allem „Das verstehe ich, das geht mir ganz genauso!“. Die Wirksamkeit des Einzelnen wird diesem doch erst durch Spiegelung klar. Resonanz bedeutet physikalisch Mitschwingen eines Körpers mit einem anderen. Was könnte also besser zum Resonanzprozess passen, als dass ich in taktvollem Einklang mit dem Marketingteam swinge? Zumal man darunter nicht verstehen darf, dass es keine heißen Diskussionen gibt!

Ein besonders schönes und erhellendes Feedback in unserem dritten Resonanzgespräch war, dass meine Kollegin Esther es schätzt, dass ich für mich sorge. Ich hatte mich wie angekündigt für zweieinhalb Wochen aus dem Weihnachtsrummel rausgezogen, um mich nach dem herausfordernden Jahr zu erden und den Input deshalb so gering wie möglich zu halten. Mit Erfolg: Ich kehrte tiefenentspannt und taufrisch zurück. Und es tut gut zu wissen, dass „die Firma“ das wertschätzt. Sich nicht wünscht, dass man sich aufbraucht und kaputtrackert. Sondern hinter jedem steht, der für sein Wohlergehen sorgt.

Learning No. 9: Selbstorganisation braucht viel Selbstfürsorge — und noch mehr

Das tut leider nicht jeder und auch ich mache das keinesfalls immer. Denn da gibt es ja noch etwas: unsere inneren Treiber. Die dürfen sich in der selbstorganisierten neuen Arbeitswelt munter austoben. Und so trafen sich im Januar-Lab nicht nur ausgeruhte Gesellen, sondern auch immer-noch-kranke und erschöpfte Kollegen. Wir gehen gerne an unsere Grenzen, wenn nicht drüber. Weil es Spaß macht, weil man im Team sein Scherflein beitragen, Kunden und Kollegen nicht im Regen stehen lassen möchte. Da wir alle so ticken, braucht es offensichtlich eine strukturelle Lösung. Selbstverantwortung alleine reicht nicht. Zumal der Druck groß ist. Nicht von oben, wie sonst üblich. Aber aus dem System heraus und aus dem Team kommend, ohne dass das jemand überhaupt beabsichtigt. Gut also, wenn man weiß, dass die anderen auch kämpfen und gerne besser für sich sorgen würden. Dann kann man sich untereinander dahingehend unterstützen.

Das merke ich auch an anderer Stelle: Als nunmehr alte Häsin fungiere ich seit Februar selbst als Patin für unseren neuen Kollegen Gordon. Fachlich kann ich ihn wenig unterstützen, aber darum geht es gar nicht. Aus der Konzernwelt kommend, braucht er meines Erachtens in erster Linie Beistand bei der Bewältigung des Culture Clashs. Hier ist von unseren Neulingen tatsächlich eine 180-Grad-Wendung gefragt, und wir wissen ja schon rein beruflich bedingt, wie stark solch ein großer Wandel an der Substanz zehrt.

Learning No. 10: Auch ein erfüllendes (Arbeits)Leben bedarf der Balance

Die HR-Pioneers-Welt bricht wirklich vehement über einen herein, wenn man hier ankommt: die vielen Menschen, die man ganz nah kennenlernt und die sich wirklich für einen interessieren; die vielen Ideen, die auf einen einprasseln und die in einem selbst entstehen. Neue Arten des Umgangs, neue Arten des Arbeitens, so viele neue Möglichkeiten!

Ich selbst habe bisweilen das Gefühl, dass die Pioniere mein Leben übernommen haben. Eine durchweg freundliche Übernahme, unbedingt, aber dennoch bedrohlich für meine anderen Lebensbereiche. Natürlich ist das in gewissem Rahmen normal, wenn man in einem neuen Unternehmen anfängt. Während der Probezeit sollte man sich nicht allzu viel anderes vornehmen. Aber hier scheint es umfassender, vielleicht weil es so viel Emotion enthält. Hinzu kommt, dass ich bisweilen meine, zu meinem Arbeitsplatz on top eine Eventserie bezogen zu haben: Wellness-Lab, Überraschungsparty, Karnevalsfrühstück … Das erinnert mich an eine Freundin, die sich mal traurig äußerte, sie könne ihrer Tochter zu Hause niemals Süßigkeiten erlauben, weil diese im Kindergarten schon so viele bekäme. Hier muss auf Arbeit also an der ein oder anderen Stelle auch mal „nein“ gesagt werden, um die Freizeit nicht allein zum Runterkommen von der geistigen und seelischen Überzuckerung nutzen zu müssen. Das Finden der Balance wird ganz klar meine Aufgabe für die zweite Hälfte meines ersten Jahres hier sein.

Learning No. 11: Es gibt kein Zurück

Aber ist das nicht herrlich? Solche Luxusprobleme zu haben? Wo es sonst eigentlich immer nur um das nackte seelische und geistige Überleben in einer unmenschlichen oder allzu menschlichen Organisation geht? In der Welt da draußen ist das nach wie vor so, wie ich den Schilderungen in meinem privaten Umfeld und im öffentlichen Raum entnehmen muss. Schilderungen, wie ich sie selbst vor kurzem noch von mir gab und die ich mittlerweile kaum mehr ertragen kann. Weil ich nun nicht mehr hoffe, dass es anders gehen könnte, sondern weiß, dass es geht. Und da gibt es kein Zurück mehr. Wer einmal so arbeiten durfte wie wir das hier tun, wird das anders nicht mehr hinnehmen. Schier unmöglich. Vielleicht ist das eine Chance für unsere Gesellschaft, auf der Arbeit und im Zusammenleben anders miteinander umzugehen. Jeder Einzelne mit seiner Erfahrung verändert ein kleines Eckchen des großen Ganzen.

Vielen Dank!

Wem habe ich das zu verdanken? Natürlich meinen wunderbaren Pioniers-Kollegen, die mich tagtäglich annehmen, unterstützen, herausfordern, lernen lassen. Und nicht zuletzt unserem Gründer und Geschäftsführer André, der es uns überhaupt erst möglich macht, so und nicht anders zu arbeiten, obwohl das alles andere als einfach für ihn ist. Aber auch mir selbst. Denn ich bin hier, weil ich nie aufgegeben habe zu hoffen, dass es anders geht und genau dafür zu kämpfen. Mit jeder Diskussion, mit jedem Aufbäumen und mit jedem Jobwechsel bin ich einen Schritt weitergegangen. Allen, die unglücklich auf ihren Stellen hocken, kann ich daher auf kölsche Art nur sagen: „Arsch huh!“ Es ist und bleibt unbequem, aber es lohnt sich allemal.

Im vierten und letzten Teil der Serie zum agilen Onboarding werde ich nochmal ganz konkret zusammenfassen, worauf es ankommt. Basierend auf meinen Erlebnissen, aber auch auf den Erkenntnissen meiner Kollegen und Kolleginnen, um das Ganze auf eine breitere Basis zu stellen. Ich bin selbst schon sehr gespannt, was dabei herauskommt!

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