Warum übernehmen meine Mitarbeiter eigentlich nicht mehr Selbstverantwortung?

Kürzlich tauschte ich mit dem Geschäftsführer einer unserer Kunden beim Lunch zu unseren Erfahrungen auf dem Weg zu mehr Selbstverantwortung in Teams und Unternehmen aus. Mich interessierte, was seiner Meinung nach die größten Herausforderungen waren und noch sind.

Aus seiner Sicht besteht die größte Herausforderung darin, die Verantwortung wirklich in die Teams zu geben und dort nachhaltig zu verankern. Dabei entstand folgende Grafik auf der Rückseite der Speisekarte:

Es gibt zwei Variablen, die Einfluss darauf nehmen, wie hoch die Teamverantwortung ist:

 1. Die Motivation des Teams (und letztendlich eines jeden Teammitglieds) Verantwortung zu übernehmen.

Das Team muss zwei Vorraussetzungen mitbringen: Es muss Verantwortung übernehmen wollen und es muss Verantwortung übernehmen können.

Das Wollen ist eine Frage der Motivation. Und Motive sind bei Menschen sehr unterschiedlich. Einige wollen Verantwortung übernehmen, andere Menschen haben Angst davor Verantwortung zu übernehmen. Bei der Teamzusammensetzung und der Auswahl der Mitarbeiter sollte die Motivation (warum jemand etwas tun oder auch nicht tun will) genau analysiert werden. Darüber hinaus ist es ist eine Entwicklungsaufgabe des Scrum Masters  (ggf. auch der Führungskraft) Ängste und Barrieren abzubauen, damit Menschen Verantwortung im Team übernehmen.

Und es muss ein Team sein, was auch Verantwortung übernehmen kann. Dies ist eine Frage der Kompetenz. Dies ist ebenfalls ein Thema bei der Personalsuche und der Zusammensetzung von Teams. Wenn Entwicklungsbedarf besteht, sollte hier gehandelt werden und gezielt Wissen aufgebaut werden, damit das Team für Themen auch Verantwortung übernehmen kann.

2. Die Befähigung des Teams durch die Führungskraft

Die zweite Voraussetzung ist, dass ein Team Verantwortung übernehmen darf. Das klingt im ersten Moment etwas merkwürdig, aber ich will es erläutern. Es ist notwendig, dass eine Führungskraft auch das Team befähigt, Verantwortung zu übernehmen.

Sobald eine Führungskraft keine Verantwortung abgeben will oder meint abgeben zu müssen, ist es für das Team schwer möglich Verantwortung zu übernehmen. Für die Führungskraft bedeutet es, loslassen zu können und dem Team zu vertrauen. Und das ist sicherlich kein leichter Schritt. Vertrauen entsteht und wächst langsam. Es ist ein beidseitiger Prozess: Das Team muss sich das Vertrauen erwerben und die Führungskraft muss vertrauen lernen.

Viele Führungskräfte machen den Fehler, und geben zu schnell zu viel Verantwortung in ein Team. Meist wird als Grund angeführt, dass sich dies bei Scrum von alleine regelt.

Folgende Grafik verdeutlicht das:

Ein Team hat zu Beginn 0% Selbstverantwortung (das wird in der Praxis wohl selten der Fall sein). Alle Vorgaben werden durch die Führungskraft vorgenommen.

Wenn ich zu 100% Selbstverantwortung kommen will, brauche ich einen Prozess, einen Entwicklungsweg, den ich mit einem Team (oder auch ggf. mit einem Unternehmen gehe. So kann ich evtl. zu Beginn die Urlaubsvergabe im Team organisieren lassen. Wenn dies funktioniert, kann ich darauf aufbauend die nächsten Verantwortlichkeiten in das Team geben. Ein Schritt nach dem anderen, es ist eine Reifeprozess. Und der braucht Zeit.

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