1. Agile Executive Summit

Zwischen Push und Pull

Unser erster Agile Executive Summit ist erfolgreich vollbracht: 20 Vorstände und Geschäftsführer tauschten sich am 21. November in Frankfurt a. M. zu agilen Herausforderungen aus, rückten Stühle und brachten das Bild der gläsernen Decke zum Wanken.

 

Wobei: Bildermalen verbietet sich sowieso, berichtete Bodo Gmel in seinem Impuls aus Sicht der DB Systel. Seiner Erfahrung nach bringt eine Abbildung der Organisation umgehend wieder Linie ins Spiel, egal ob diese in Kästchen- oder Pfirsichform eingezeichnet ist. Weil jeder dann schon wieder schaut, wo er sich verortet. Der CFO der DB-Tochter schilderte die eindrucksvolle Transformation in seinem Unternehmen offen und authentisch. Es ist ein Wahnsinnsakt, solch ein Unternehmen in selbstorganisierte Teams umzubauen. Laut Zielsetzung werden es irgendwann 500 – 600 sein.

Anders bei Stefan Willkommer: Der hatte sein Unternehmen von Anfang an auf Selbstorganisation ausgelegt, hätte jedoch auch nicht mit den Entwicklungen und Lernmöglichkeiten gerechnet. Er brachte Selfmade-Flair in die Veranstaltung, indem er in „Südstaatenslang“ von TechDivision berichtete, der Firma, die er mit seinem Bruder bei Rosenheim aus der Taufe gehoben hatte. Er arbeitet mittlerweile vor allem daran, sich selbst überflüssig zu machen. Denn wenn eine Aufgabe wegfalle, tauche sowieso sofort wieder eine neue auf, für die er gebraucht werde.

An der Stelle herrschte Konsens unter allen Anwesenden. Auch in Sachen Push und Pull war man sich einig: Eine gelungene Kombination ist wichtig. Denn ab und an benötige es auch mal Push, so Stefan Willkommer. Bodo Gmel sieht in der Ausbalancierung eine der größten Herausforderungen. Das Maß zwischen Push- und Pull-Kommunikation müsse angemessen sein.

 

Stichwort Wirtschaftlichkeit

In die Kategorie Ausgewogenheit fällt auch die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Am Anfang ist Vorsicht geboten, aber irgendwann muss man schon nach dem Business Case fragen, so Bodo Gmels Erfahrung.

Auch Stefan Willkommer berichtete von der Wichtigkeit der Wirtschaftlichkeit – auf dieser Ebene sieht man sich eben auch in der Verantwortung den Mitarbeitern gegenüber, dass der Laden läuft und somit die Arbeitsplätze erhalten bleiben. Bei TechDivision steht den Teams ein Team „Finance“ als Dienstleister zur Verfügung. Diese Kollegen bereiten Zahlen auf, die die Teams brauchen, um sich weiterzuentwickeln. Und die finden das gut. Manche Teams haben sich sogar ein Dashboard aufgehängt, um verfolgen zu können, wie gut und effizient sie arbeiten.

Alle Mitarbeiter mitnehmen?

Die überall immer wieder gestellte Frage, wie man alle Mitarbeiter im Change mitnimmt, fand indirekt eine logische Antwort: Es kann nicht jeder mitgenommen werden. Manche wollen einfach nicht, es ist nach dem Wandel nicht mehr ihr Unternehmen. So gehen einige – oder bleiben innerlich unbeteiligt da. Aber diese Menschen gibt es immer, auch in hierarchisch organisierten Unternehmen.

 

Aus Sicht der Wissenschaft

Einen weiteren wichtigen Impuls gab Professor Dr. Simon Werther von der wissenschaftlichen Warte aus. Seine Profession beschäftigt sich bereits seit 70 Jahren mit Agilität. Er gab den Anwesenden nochmal gute Argumente an die Hand, um auch GF- und Vorstandskollegen überzeugen zu können. Die Führungsforschung entwickelt sich in den letzten Jahren in seinen Augen aus unterschiedlichen Richtungen in ein und dieselbe Richtung: wie bereitet man Agilität den Boden. Das passt zum Fazit einer Teilnehmerin: „Es gibt positive und negative Beispiele, aber man muss jetzt einfach anfangen.“ Dabei gilt es in den Augen eines anderen Teilnehmers nicht darum, alles gleichzeitig zu lösen. Vielmehr sollte man „einfach etwas raussuchen und bearbeiten.“

 

Austauschmöglichkeiten gesucht und gefunden

Zwischen den Impulsen nutzten die Teilnehmer von Sekunde eins an die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen und voneinander zu lernen. So fand sich der ein oder andere erklärend am Flipchart wieder. Aber genau das war ja der Sinn der Sache: einen Rahmen zu schaffen, in dem sich Vorstandsmitglieder und Geschäftsführer einmal offen untereinander austauschen können.

Es zeigte sich, dass es DIE gläserne Decke nicht gibt. Auch Vorstände und Geschäftsführer, die sich und ihr Unternehmen agil aufstellen oder aufstellen wollen, haben mit Restriktionen zu kämpfen, nicht nur die Mitarbeiter, die sich in der alten Ordnung in den Kästchen darunter befinden. Die Ambitionen der Teilnehmer des Summit unterschieden sich nicht wirklich von denen der Teilnehmer an der Agile HR Conference. Das macht Mut und Vorfreude, auf das, was in den nächsten Jahren an Zusammenarbeit gemeinsam gestaltet werden kann.

 

Erlös geht an „Schule im Aufbruch“

Den 1. Agile Executive Summit dürfen wir als vollen Erfolg bezeichnen, was vor allem an den Beteiligten lag. Wir danken allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen für ihre Offenheit und Erörterungsfreude, ihr Engagement und ihre gute Laune! Schön, dass Ihr alle da wart – und damit gleichzeitig auch eine unserer Herzensangelegenheiten unterstützt habt: Der Erlös der Veranstaltung geht nämlich an das Projekt von Margret Rasfeld „Schule im Aufbruch“. Dafür haben auch die Speaker dankenswerterweise auf ihr Honorar verzichtet.

Die Teilnehmer unserer diesjährigen Agile HR Conference werden sich an den eindrucksvollen Vortrag von Margret Rasfeld und Jamila Tressel erinnern, der auch die Pioniere vollkommen begeistert hatte. Es ist uns ein Anliegen, dieses Projekt weiter zu verfolgen und zu unterstützen. Denn um die Arbeitswelt grundlegend und nachhaltig ändern zu können, brauchen wir Menschen mit einer anderen Haltung. Je früher diese gefordert und gefördert wird, desto besser. Was könnte also sinnvoller sein, als Schule zu revolutionieren?

Der Termin für den Agile Executive Summit 2019 steht auch schon fest: Es ist der 12. November 2019 und die Anmeldung ist bereits möglich!

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