Geschäftsleute in modernem Büro und ein Lichtflow, der Organisational Performance symbolisiert.

Organisational PERFORMANCE // Folge 8 // 15.04.2026

Organisational Performance:
Was ein Operating Model zusammenhält

Wer sich mit Organisationsentwicklung beschäftigt, steht schnell vor einem Begriffsdschungel: Organisationsdesign, Operating Model, Organisationsstruktur, Wertschöpfungsprozesse, Organisational Performance und dann noch Rollen, Governance, Führungsmodell. Jeder dieser Begriffe hat seine Berechtigung. Jeder beschreibt etwas Relevantes.

In diesem Beitrag möchten wir ein gemeinsames Bild davon zeichnen, wie diese Begriffe zusammenspielen. Was ist der Rahmen, was ist ein Baustein darin? Was kommt zuerst, was folgt woraus? Und vor allem: Wo setzt Du an, wenn Du Eure Organisational Performance verbessern willst?

Wir sortieren die Begriffe und zeigen, warum das Operating Model der zentrale Hebel ist, der Strategie, Struktur, Prozesse und Führung zu einem funktionierenden Ganzen verbindet. Kein Glossar, sondern eine Landkarte: Damit Du schneller entscheiden kannst, wo Du ansetzen solltest – statt am falschen Ende zu optimieren.

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Ein Operating Model beschreibt, wie eine Organisation Wert erzeugt. Es ist das Betriebssystem, das festlegt, wie Strategie im Alltag wirkt. Es verbindet den Anspruch mit der täglichen Arbeit und es umfasst deutlich mehr als Prozesse und Rollen.

Ein vollständiges Operating Model besteht aus vier Ebenen:

  • Wertschöpfungsstruktur: Wer muss mit wem arbeiten? Teams und Einheiten werden so formiert, dass sie den Wertstrom abbilden.
  • Mechanismen der Zusammenarbeit: Wie koordinieren sich diese Einheiten? Übergaben und Schnittstellen werden geregelt inklusive Routinen, Ergebnisse und Tools, die Zusammenarbeit im Alltag möglich machen.
  • Führungsstruktur: Welche Rollen und Gremien braucht es? Erst hier wird Führung definiert – als Aufgabe, losgelöst vom Status.
  • Governance (Steuerung & Entscheidungen): Wie wird entschieden? Priorisierungsrunden und Strategiezyklen werden festgelegt.

Die Organisationsstruktur zeigt, welche Ebenen es gibt, wer welche Position innehat, wer in welchem Bereich, welcher Abteilung und welchem Team ist. Hier  wird deutlich, wer wen führt, wer an wen formal berichtet. Das Operating Model liegt im Hintergrund. Es ist das Betriebssystem der Organisation. Es entsteht dadurch,  wie Arbeit wirklich fließt, wie Entscheidungen getroffen werden und wie Steuerung tatsächlich funktioniert.

Denn in jeder Organisation existieren drei Strukturformen parallel: Die formelle Struktur – das Organigramm an der Wand, das Compliance und Rechtssicherheit darstellt. Die informelle Struktur – das soziale Netzwerk, in dem Beziehungen und Reputation regieren. Und die Wertschöpfungsstruktur – die konkrete Zusammenarbeit, durch die Nutzen und Wertschöpfung entstehen. Mit Wertschöpfungsstruktur meinen wir: Welche Teams und Einheiten dauerhaft so eng zusammenarbeiten müssen, dass der Wertstrom ohne Reibungsverluste fließen kann.

Wer tatsächlich mit wem arbeitet, zeigt sich im Alltag. Wo Aufgaben landen. Wer zuhört. Und wer übergangen wird. Wie Menschen ihre Arbeit organisieren, prägt, wie eine Organisation läuft.

Formale Strukturen haben ihre Berechtigung: Sie geben Orientierung und regeln klare Verantwortlichkeiten. Aber sie zeigen in erster Linie nur, wie die Organisation sein soll. Das Bild der gelebten Realität entsteht woanders.

Auf einem großen Tisch stehen mehrere Laptops, an denen einzelnen Personen intensiv arbeiten.
Abbildung 1: Das Organigramm dokumentiert Zuständigkeiten. Das Operating Model zeigt Wertfluss, Entscheidungen und Zusammenarbeit.

Organisationsentwicklung will gute Zusammenarbeit erreichen. Und die zeigt sich in der Realität. Eine Organisation arbeitet gut, wenn vier Performancefaktoren zusammenkommen: Effektivität, Effizienz, Innovationskraft und Resilienz. Oder pragmatisch gesagt: Treffen wir den Kundennutzen? Fließt Arbeit ohne Reibungsverluste? Lernen wir schnell genug? Bleiben wir unter Druck handlungsfähig? Das gelingt, wenn klar ist, welche Arbeit wirklich zählt und wie Wert entsteht.

Dieses Bild weicht oft erheblich von dem ab, was die formale Struktur (in erster Linie durch das Organigramm repräsentiert) zeigt.

Viele Organisationen halten Abläufe ein, die längst überholt sind. So passiert es, dass Reportings erstellt werden, die niemand liest, Dokumentationen verfasst werden, die niemand nutzt oder Ablagen bedient werden, die ins Nichts laufen. Das kostet Zeit und die fehlt dann dort, wo sie gebraucht wird.

Noch deutlicher wird es bei täglichen Abläufen: Schlecht funktionierende Tools. Freigaben von Menschen, die schwer erreichbar sind oder immer wieder neu ins Thema eingeführt werden müssen.

Das ist ein strukturelles Muster. Es zeigt, dass das Operating Model an der realen Arbeit vorbeientworfen wurde. Und es zeigt: Organisationsdesign umfasst weit mehr als die Aufbauorganisation. Es geht um das Zusammenspiel von Mensch, Kultur, Struktur, Prozessen, Führung und Instrumenten. Strategie wirkt von außen als Input-Variable auf das gesamte System.

Bevor die Wertströme analysiert werden, braucht es eine vorgelagerte Phase: Das Fundament muss geschaffen werden.

In dieser Phase geht es darum, abstrakte Strategie-Ziele in konkrete Anforderungen an die Struktur zu übersetzen. Die Strategie ist die entscheidende Input-Variable für das gesamte Organisationsdesign – ohne sie fehlt der Gestaltung das Fundament.

Konkret heißt das: Bevor ein einziges Kästchen gemalt wird, müssen zwei Dinge definiert werden:

Rahmenbedingungen – die unverhandelbaren Leitplanken.

Zum Beispiel: „Maximale Teamgröße: 15 Personen.“ „Es gibt keine zusätzlichen Führungsrollen.“ Diese Leitplanken werden vorab entschieden und gelten dann verbindlich. Sie werden nicht in jeder Entwurfsrunde neu verhandelt.

Designkriterien – der Kompass.

Sie beschreiben den Charakter der neuen Organisation und leiten sich direkt aus den strategischen Zielen ab. Gute Designkriterien haben eine Richtung, zum Beispiel: „Entscheidungen sollen möglichst dort getroffen werden, wo die Arbeit stattfindet“ oder „Teams sollen einen Prozess von Anfang bis Ende verantworten, um Schnittstellenverluste zu minimieren.“

Designkriterien dienen später als Bewertungsmaßstab: Ist Entwurf A besser als Entwurf B? Erst wenn diese Klarheit geschaffen ist, kann die eigentliche Gestaltungsarbeit beginnen.

Wer ein Operating Model entwickeln will, startet bei der Frage: Wie entsteht hier Wert?

Die Wertstrom-Analyse macht sichtbar, welche wiederkehrenden Situationen Wert erzeugen. Für Kund:innen, interne Partner:innen, für die Organisation selbst. Wer ist beteiligt, wo läuft es gut, wo stockt es, wo liegen Potenziale, wo echte Schmerzpunkte?

Besonders aufschlussreich sind die Übergaben. Dort entscheidet sich Performance. Gelingen sie reibungslos, oder entstehen Wartezeiten und Doppelarbeit? Müssen beteiligte Rollen ständig Abteilungsgrenzen überwinden?

So zeigt sich das Zusammenspiel von Struktur, Rollen und Governance. Konkret und gelebt, statt abstrakt und theoretisch.

Sobald die Wertströme visualisiert sind, wird eine weitere Entscheidung fällig: Die Festlegung einer sogenannten Organisationsvariable. Das ist das primäre Sortierungskriterium für Einheiten, also die Logik, nach der Menschen, Aufgaben und Ressourcen gruppiert werden. Das kann zum Beispiel nach Kundengruppe, Produkt, Region, Technologie oder Funktion geschehen. Die richtige Variable reduziert Komplexität und erhöht den Fluss. Und sie ist eine Führungsentscheidung: Sie legt fest, welche Zielkonflikte Ihr künftig innerhalb einer Einheit löst und welche Ihr über Schnittstellen managen müsst.

Damit die Analyse gelingt, müssen die richtigen Menschen am Tisch sitzen. Gerade in Organisationen mit vielen Fachbereichen können nur Menschen ein ehrliches Bild geben, die die Arbeit wirklich kennen. Die Menschen, die täglich navigieren, die spüren, wo es hakt. Die wissen, welche informellen Lösungen entstanden sind und wo Potenzial liegt, das in keiner Präsentation auftaucht.

Auf einem großen Tisch stehen mehrere Laptops, an denen einzelnen Personen intensiv arbeiten.
Abbildung 2: Die richtigen Menschen am Tisch kennen die Organisation übergreifend und die tatsächliche Arbeitsweise.

Partizipation ist dabei ein Kernprinzip.

Die Organisation designt sich selbst, methodisch begleitet, aber aus eigener Kraft. Betroffene werden zu Beteiligten. Denn wer die Arbeit macht, kennt die Engpässe besser als jede Stabsstelle. Und wer mitgestaltet, trägt das Ergebnis auch mit. Wichtig ist dabei Entscheidungsklarheit: Partizipation heißt Wissen und Perspektiven reinholen – nicht Basisdemokratie.

Wenn dieser Raum entsteht, wird die Analyse tragfähig. Wenn er fehlt, entsteht ein Bild, das ordentlich aussieht, aber an der Realität vorbeizieht.

Die Wertstrom-Analyse muss dabei auf der richtigen Flughöhe bleiben. Es reicht ein ehrliches Bild: Wo fließt Wert, wo stockt er, welche Abhängigkeiten gibt es. Das ist die Grundlage, auf der alles Weitere aufbaut.

In der Praxis ist genau das die größte Herausforderung.

Zu viel Detail, und die Analyse verliert sich in IT-Engpässen und Einzelschritten. Die eigentlichen strukturellen Fragen bleiben offen.

Zu wenig Detail, und alles bleibt vage. Man nickt sich durch. Alles klingt plausibel, und trotzdem verändert sich nichts.

Die Wertstrom-Analyse soll die richtigen Fragen sichtbar machen. Als Grundlage für bewusste Entscheidungen. Weder als Prozesshandbuch noch als unverbindliche Bestandsaufnahme.

Wenn das Bild der tatsächlichen Wertschöpfung klar ist, kommt die eigentliche Gestaltungsarbeit. Sie folgt einer strikten Sequenz: Wertschöpfung vor Steuerung. Statt das Organigramm von oben nach unten zu malen, wird von außen nach innen gearbeitet: Wie entsteht der Wert für den Kunden?

Schritt 1 – Wertschöpfungsstruktur

Teams und Einheiten werden so geschnitten, dass sie den Wertstrom abbilden. Die Leitfrage: Wer muss so eng zusammenarbeiten, dass eine Trennung kontraproduktiv wäre?

Schritt 2 – Prozesse der Zusammenarbeit

Keine Struktur ist perfekt. Jede erzeugt Schnittstellen. In diesem Schritt werden Brücken gebaut, also übergreifende Mechanismen der Abstimmung, damit aus isolierten Einheiten ein funktionierendes Ganzes wird.

Schritt 3 – Führungsstruktur

Erst jetzt kommt die Steuerung. Die zentrale Frage lautet: Was muss getan werden, damit diese Teams arbeitsfähig bleiben und in die gleiche Richtung laufen? Führung wird als Aufgabe betrachtet, losgelöst vom Status.

Schritt 4 – Governance und Steuerungsprozesse

In welchem Rhythmus und in welchen Formaten wird gesteuert? Welche Gremien braucht es, damit autonome Teams trotzdem eine gemeinsame Richtung halten?

Dieser Prozess verläuft iterativ.

Es werden mehrere Design-Prototypen entwickelt, in Feedbackrunden mit Stakeholdern verglichen und anhand der Designkriterien bewertet. So entsteht schrittweise ein Modell, das von einem großen Teil der Organisation mitgetragen wird und durch das Feedback eine qualitative Reife hat.
 

Bei einem Projekt mit einem IT-Dienstleister zeigte die Wertstrom-Analyse, an welchen entscheidenden Stellen zentrale Wertströme miteinander verzahnt waren. Auf den ersten Blick war das verborgen. Jeder Bereich hatte seine eigene Logik, seine eigenen Abläufe, seine eigenen Systeme.

Die Analyse machte deutlich, dass es an bestimmten Stellen ein aktives Zusammenspiel braucht: Fertigstellungstermine müssen festgelegt, Daten besser übergeben, Systeme verbunden, unterschiedliche Denkweisen aufeinander abgestimmt werden.

Dieser Bedarf wurde früh sichtbar – noch bevor die Struktur festgelegt war. Die konkrete Ausgestaltung kam in einem späteren Schritt. Dann erst entstand eine Arbeitsgruppe, die genau diese Schnittstellen aktiv koordinierte. Perspektivisch sollten auch die Tools angepasst werden, um die neue Arbeitsweise zu unterstützen. Der Effekt: weniger Reibung an Übergaben und mehr Verlässlichkeit in der täglichen Lieferung.

Was dieser Fall zeigt: Die Wertstrom-Analyse liefert zunächst die entscheidenden Abhängigkeiten. Die Ausarbeitung der konkreten Lösung folgt auf einer viel solideren Grundlage. Und: Die Designkriterien aus der Strategiephase dienten als Kompass, um die verschiedenen Lösungsoptionen zu bewerten.

Wer als Führungskraft oder Projektleitung die Organisationsentwicklung verantwortet, steht unter Druck: schnell Klarheit schaffen, Strukturen festlegen, Verantwortlichkeiten regeln. Das ist verständlich.

Und trotzdem ist der sofortige Griff zum Organigramm teuer. Er überspringt gleich zwei entscheidende Schritte: Erstens die Strategiearbeit, die Designkriterien und Rahmenbedingungen liefert. Und zweitens die Wertstrom-Analyse, die zeigt, wie Wert in der Organisation wirklich entsteht.

Beide Schritte kosten Zeit. Sie sparen aber weit mehr davon, weil Entscheidungen auf einer ehrlichen Grundlage getroffen werden, weil Strukturen zur Realität passen und weil Veränderungen tragen, statt nach drei Monaten wieder aufgerollt zu werden.

Ein Operating Model ist das sichtbar gemachte Betriebssystem einer Organisation. Es umfasst vier Ebenen: Wertschöpfungsstruktur, Mechanismen der Zusammenarbeit, Führungsstruktur und Governance (Steuerung & Entscheidungen). Es zeigt, wie Arbeit wirklich fließt, wer mit wem zusammenarbeitet, wo Entscheidungen tatsächlich fallen und wie gesteuert wird.

Wer es entwickeln will, fängt bei der Strategie an, übersetzt sie in Designkriterien und startet dann bei der Wertschöpfung. Erst verstehen, dann gestalten – iterativ, partizipativ und anhand klarer Bewertungsmaßstäbe.

Organisational Performance ist kein Zufallsprodukt – sie ist ein Systemergebnis. Wir schauen auf den wichtigsten Hebel in diesem System: Führung – nicht als Motivationsarbeit, sondern als Wirkmechanismus, der Strategie in Prioritäten, Entscheidungen, Verhalten und Ergebnisse übersetzt. Und wir klären, wie KI dabei eine zentrale, aber nachgeordnete Rolle spielt: unterstützen ja – fehlende Führungslogik ersetzen nein.

Weitere Folgen widmen sich:

  • Entscheidungsarchitektur
  • KI für nachhaltige Performance
  • Organisational Performance messen

Bleib dran und lass uns gemeinsam daran arbeiten, Eure Organisation wirksamer, handlungsfähiger und zukunftsfähig zu machen.


Team arbeitet an Organisationsdesign zur Verbesserung der Organisational Performance.
Abbildung 3: Der Weg zur leistungsfähigen Organisation – ein iterativer Prozess

Lass uns ins Gespräch kommen …

Melde Dich gerne bei Jan Sievers für ein erstes Impulsgespräch. Wir schauen gemeinsam auf Eure Wertströme, Entscheidungsarchitektur und Hebel für mehr Wirkung.


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Fotos: Abbildung 1 von Marvin Meyer auf Unsplash und Abbildung 2 von Campaign Creators auf Unsplash