„Agilität hat uns das Leben gerettet“

Topmanagement in Pandemiezeiten

Beim Agile Executive Summit standen dieses Jahr die Auswirkungen von Corona im Mittelpunkt – wäre auch komisch, wenn nicht. Von Herausforderungen und Lösungen.

Am 29. Oktober fand der Agile Executive Summit 2020 statt. Der Kreis beim virtuellen Event war mit 12 Teilnehmenden dieses Mal sehr klein – dafür der Austausch und die Arbeit an den Themen umso intensiver. Das tut auch not, denn die Herausforderungen im Topmanagement sind dieses Jahr oft existenziell und wirklich frisches Denken und Handeln gefragt. Impulse kamen von Julia Bangerth, Vorstandsmitglied, COO und CHRO der DATEV eG, und Daniel Krauss, CIO und Mitgründer der FlixMobility GmbH. Der weitere Zeitraum des Summits war dem Austausch zu Themen gewidmet, die gerade unter den Nägeln brennen.

Daniel Krauss: 80 % Kommunikation

In den letzten Monaten hat Daniel als Führungskraft die Nähe zu seinen Mitarbeitenden gesucht und bis zu 80 Prozent mit Kommunikation verbracht. Ansonsten hat man sich im Unternehmen damit beschäftigt, Prozesse zu hinterfragen und zu überarbeiten, aufzuräumen. Eine Erkenntnis: “Agilität hat uns das Leben gerettet.”

Daniel verglich in seinem Impuls “Weathering The Storm – Leading an agile organization in times of crisis” die Pandemie mit einer Art Verkehrsunfall. FlixMobility war vor der Pandemie mit einem Wachstum von 60 Prozent mit Vollgas unterwegs und musste Mitte März eine Vollbremsung hinlegen. Wie man sich vorstellen kann, geht das nicht ohne Schwerverletzte. Bei Partnern und Mitarbeitenden habe die Situation sehr viel Unsicherheit ausgelöst. Aber man setzt bei FlixMobility auf Offenheit und Transparenz. Keine Schönfärberei zu betreiben habe alle geerdet – aber auch einige vertrieben. Die Churn-Rate bei den Techies stieg von 16 auf 30 Prozent.

Julia Bangerth: linear vs. exponentiell

Wie sich die DATEV auf die aktuellen Geschehnisse einstellt, erläuterte Julia in ihrem Impuls “(Un)Learn, Inspect, Adapt – was wir aus Corona für die Digitalisierung & die Zukunft der Arbeit lernen können”. Sie machte etwas Wichtiges deutlich, das wir gerne verdrängen: Der Mensch denkt linear – seine Umwelt entwickelt sich hingegen gern exponentiell. Seien es Wachstumszahlen, sei es die Verbreitung eines Virus. Wir planen unsere nächsten fünf Jahre üblicherweise im Rückblick auf die letzten fünf. Doch die Entwicklung wird sich nicht linear vollziehen, sondern exponentiell. Der Plan kann also gar nicht aufgehen. Um da voranzukommen, hilft die agile Transformation. Und in der darf auch mal top-down in die Organisation eingegriffen werden. “Die Frösche trocknen nicht ihren eigenen Teich aus”, wie Julia anschaulich formulierte.

Aktuelle Herausforderungen des Topmanagements

Die Herausforderungen dieser Zeit sind vielfältig, wie eine Sammlung von Themen für die Fokusrunden ergab. Zum einen ist für das Topmanagement die Frage, wie sich eine Transformation auch in Krisenzeiten konsequent weiterführen lässt. Vor allem aber: Wie halte ich weiter guten Kontakt zu den Mitarbeitenden? Und wie verändert sich Führung in diesen Zeiten und in den nächsten Jahren? Man fragt sich, was man als oberste Leitung dafür tun muss, dass Mitarbeitende in Selbstverantwortung kommen, sie und die Organisation ihr Potenzial entfalten können. Überhaupt, die Zukunft: Wie sind Arbeitswelten zukünftig zu gestalten, wenn mehr Mitarbeitende mobil arbeiten? Und wenn wir alle flexibler werden und Skillshift stattfindet – was passiert dann mit Vergütungsmodellen?

Lösungsansatz für Teamspirit remote

Eine der größten Herausforderungen ist es wohl gerade, neue Mitarbeitende in das Unternehmen zu integrieren. Das Team mag noch erreicht werden, aber darüber hinaus? Und wie weihen wir neue Mitarbeitende in neue informelle Regeln ein, die uns selbst nicht klar oder gar nicht bewusst sind? Denn Corona und Homeoffice haben uns verändert – oft unmerklich.

Was an der Stelle oft fehlt, ist ein gemeinsames Verständnis von Homeoffice. Vielfach ist noch nicht das Vertrauen da, dass Menschen zu Hause wirklich arbeiten. In der Vergangenheit musste man sich fürs Arbeiten im Homeoffice oft rechtfertigen – diese Haltung wirkt weiter in die aktuelle Zeit mit hinein. Hier helfen klare Regeln oder noch besser Prinzipien. Denn die sorgen für mehr Selbstorganisation.

Die größte Schwachstelle der Remote-Arbeit: Teamspirit und Atmosphäre gehen verloren. Das zufällige Treffen an der Kaffeemaschine fehlt; Kommunikation verläuft vor allem sachlich und durchgetaktet. Für manche Unternehmen, die besonders Wert auf eine angenehme Büroatmosphäre legen, geht da gar der USP im Recruiting verloren.

Helfen können Experimente wie die “Virtuelle Kaffeemaschine”, Lunch Dates per Zufallsgenerator oder ein virtuelles Oktoberfest. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Zudem sollten Führungskräfte sich mehr damit beschäftigen, wie es ihren Mitarbeitenden geht. Sich Zeit nehmen und diesen weichen Themen Raum geben.

Lösungen lassen sich auch bei Unternehmen finden, die schon immer nur remote funktionieren. Die selbst vor Corona noch nie in Präsenz zusammengearbeitet haben. Wie machen solche Unternehmen wie Buffer das denn?

Positive Auswirkungen der Remote-Arbeit

Für die Führungskräfte selbst birgt Remote Work durchaus Positives: Es ist viel mehr Austausch möglich als in der Vergangenheit. Führungskräfte verschiedener Standorte setzen sich spontan virtuell zusammen. Der Austausch ist intensiver geworden und: Es werden mehr Menschen auch aus anderen Bereichen zu den Meetings dazu geholt. Rüstzeiten fallen weg und die Meetings sind effizienter als in Präsenz.

Bisweilen allerdings auf Kosten stillerer Menschen, die bei 20 Teilnehmenden virtuell vielleicht nicht zu Wort kommen. Hier lässt sich aber auf die Moderationsrolle setzen, die virtuell noch einmal wichtiger geworden ist. Und auf Achtsamkeit: Jede und jeder kann sich fragen, was sie oder er dazu beitragen kann, dass alle Gehör finden.

Kann es ein Fazit geben?

Ein Fazit zieht man am Ende. Mit Corona ist aber noch lange nicht Schluss. Das Virus und alles, was es mit und nach sich zieht, hält sicher noch viele Herausforderungen und Erkenntnisse für uns bereit. Diese werden hoffentlich insgesamt zum Guten gereichen und die Transformationen in unseren Unternehmen wie in unserer Gesellschaft vorantreiben. Wir diskutieren weiter – vielleicht ja mit Dir beim nächsten Agile Executive Summit? Alle Infos dazu veröffentlichen wir hier, sobald die Details feststehen.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.

Formular zurücksetzenBeitragskommentare