Warum Pilotteams keine Kühe töten sollten

Für Respekt und Augenhöhe

Kuhtrophäe

Jenni hat Matt Weinstein gelesen. Seine Geschichte von den Nachbarn und der Kuh hat sie an das Verhalten agiler Pilotteams erinnert. Hier ihre Geschichte von Überheblichkeit und Immunabwehr.

Gerade lese ich das Buch von Matt Weinstein „Managing to have fun. How fun at work can motivate your employees, inspire your coworkers, boost your bottom line“ von 1996. Auch nach so langer Zeit ist es immer noch lesenswert – und leider immer noch keine Selbstverständlichkeit in Unternehmenskulturen. In diesem Buch bin ich über eine sinnbildliche kleine Geschichte gestolpert, die mir allgemein in agilen Transformationen häufiger begegnet. Diese würde ich gerne mit Dir teilen:

Eine Geschichte von Matt Weinstein

Es waren einmal zwei Bauern, die eng befreundet waren, bis einer von ihnen eine fantastische Kuh bekam. Der Bauer ohne Kuh grollte seinem Nachbarn und wurde eifersüchtig auf sein Glück. Obwohl er seinem Nachbarn gegenüber höflich blieb, war er innerlich neidisch.

Eines Tages, als er sein Feld pflügte, beförderte er eine Wunderlampe zu Tage. Er rieb an der Lampe und ein Lampengeist erschien. ‚Du kannst alles haben, was Dein Herz begehrt‘, sagte der Lampengeist. ‚Denke gut darüber nach und was immer Du Dir wünschst, wird Dir gehören.‘ Der Farmer antwortete sofort: ‚Töte die Kuh meines Nachbarn!‘

(Anm.: Eigene Übersetzung)

Pilotteams in der agilen Transformation

Ohne jetzt genau zu wissen, wie sich in der Geschichte der Bauer mit der Kuh benommen hat, beobachte ich leider recht häufig aufkeimende Überheblichkeit von den ersten agil arbeitenden Teams gegenüber anderen – teilweise sogar zwischen agil arbeitenden Teams. Nach dem Motto: „Wir arbeiten ja schon agil, wir machen es richtig. Wir wissen, wie es geht! Aber die anderen haben es immer noch nicht (richtig) verstanden.“

Dieses Verhalten geht unter anderem auf unser Grundbedürfnis nach Wertschätzung zurück. Wir alle möchten uns wert fühlen. Gleichzeitig sind die wenigsten von uns in der Lage (5 %?), dies aus sich selbst heraus zu empfinden und benötigen immer einen Vergleich mit anderen. Zwei der Strategien bestehen darin, sich einerseits selbst zu erhöhen („Wir wissen, wie es geht!“) oder andererseits andere abzuwerten („Aber Ihr habt es noch nicht verstanden!“). – Also ein ganz menschliches Verhalten, das aber leider sehr problematische Nebenwirkungen hat. Denn die „Gegenseite“ hat die gleichen Bedürfnisse, die durch dieses Verhalten mit Füßen getreten werden.

Experimente wagen

Wissen teilen statt Kühe töten

Es ist wichtig, dass sich die Pilotteams bewusst machen, dass sie eine besondere Verantwortung haben, sich nicht über andere zu erheben. Wenn sie zum Nachahmen inspirieren wollen, ist es enorm wichtig auf Augenhöhe und respektvoll zu bleiben. Natürlich auch nicht nur als Mittel zum Zweck, sondern weil jeder diesen grundsätzlichen Respekt verdient. Und es ist überhaupt nichts daran zu kritisieren oder zu verhöhnen, dass jemand ein anderes Wissens- und Erfahrungsnetz hat als man selbst. Das ist normal, es kann gar nicht anders sein. Wenn wir glauben, etwas Gutes und Nützliches entdeckt zu haben, sollte es vielmehr unsere Aufgabe sein, dies mit anderen zu teilen, dass sie die Chance erhalten, ihr Wissensnetz zu erweitern.

Denn wer lässt sich schon gerne etwas sagen, wenn er sich gleichzeitig herabgesetzt fühlt? Dann wird er lieber „die Kuh töten wollen“, als mitzumachen. Und ist es nicht genau das, was wir häufig in Unternehmen beobachten? Regelrechte Immunreaktionen, wenn einzelne Bereiche aus der Reihe tanzen? – Das wird bestimmt nicht nur durch die Haltung dieser Bereiche hervorgerufen. Aber wenn es da ein Thema gibt, dann spielt es bestimmt mit rein.

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