Tipps für Deine Moderation – Teil 5

Die Kür

Moderation liegt nicht jedem Menschen – aber sie wird immer wichtiger, wenn wir gut zusammenarbeiten und effiziente Meetings abhalten wollen.  Jenni  gibt 5 x 7 Tipps und Tricks preis, wie es geht. Teil 5: Wenn Basis, Rahmen und Haltung stimmen, geht es an die Kür.

1. Nutze das Warm-up für Teamentwicklung

Ich habe dazu auch gerade einen Blog-Beitrag geschrieben: Lass Dich nicht verleiten, der agilen Literatur zu folgen und das Warm-up für eine erste Einschätzung des letzten Sprints zu nutzen. Das tust Du in der Sammlung der Themen ja eh gleich. Nutze die Zeit lieber, um die Teamentwicklung voranzutreiben. Setz Spiele und Methoden ein, die Nähe fördern, Vertrauen aufbauen, die Stimmung heben oder die Humorschwelle senken und die Frustschwelle erhöhen.

2. Keine Angst vor der Analyse: Führe das Team zu einem tieferen Verständnis in seinen Diskussionen

Ich habe es immer wieder erlebt, dass Agile Master direkt in die Maßnahmenableitung springen – insbesondere in Retrospektiven von der Sammlung der Themen. Die Folge ist, dass beschlossene Maßnahmen nur Symptombekämpfungen und Kosmetik sind, aber substanziell nichts verändern. Auf die Dauer führt das zu Frust in den Teams und Kritik an Retrospektiven. Da sie ja eh nichts brächten, könne man sich die Zeit sparen …

Hilfreich ist hier sicherlich, die Retro von vornherein einem bestimmten Thema zu widmen (z. B. „Unser Task Board“). Oder sich, wie schon beschrieben, auf weniger Aspekte zu konzentrieren, und diese richtig zu besprechen, anstatt alles abarbeiten zu wollen. Die Frage scheint für viele jedoch zu sein, wie man dieses „richtig besprechen“ zustande bringt.

Ein Schema, das sich für sehr viele Fragestellungen bewährt, ist ein Vier-Felder-Schema mit folgenden vier Fragen:

  • Was sind unsere Probleme im Einzelnen?
  • Was hat sich bewährt?
  • Woran würden wir erkennen, dass das Thema optimal läuft?
  • Welche nächsten Schritte sollten wir tun?

Achte darauf, dass das Team insbesondere bei den ersten drei Fragen in die Tiefe geht. Frage immer wieder: „Was steckt dahinter? … Und was steckt da dahinter?“ oder „Was noch?“. Nutze auch zirkuläre Fragen für die Zukunftsvision wie: „Woran würden es die anderen Teams erkennen?“ oder „Woran würde unsere Führungsebene erkennen, dass es jetzt optimal läuft?“ usw. Danach sollten sich die nächsten Schritte eigentlich wie von selbst ergeben.

 

3. Beziehe auch die Stillen ein

Man stellt eine Frage oder gibt eine Aufgabe.

Stille.

Und dann, endlich – man erhält eine Antwort!

Die Stille ist durchbrochen, wir stürzen uns glücklich darauf, nehmen es gleich als Teammeinung hin und gehen weiter zum nächsten Thema. Böser Fehler!

Achte darauf, immer wieder auch die Kollegen einzubeziehen, die sich nicht sofort zu Wort melden, die sich nicht von sich aus einbringen. Sonst kommen die Themen, an die Du schon glaubtest, einen Haken gemacht zu haben, später in der Diskussion erneut hoch und werden wieder aufgemacht. Oder die vereinbarte Umsetzung von Maßnahmen im Nachgang bleibt aus.

Schweigen ist nicht immer Zustimmung!

4. Störungen haben Vorrang

Noch ein Fehler, den wir in unserem Timeboxing-Wahn gemacht haben, war, Störungen zu unterdrücken. Wir hatten ja keine Zeit!

So sind wir nur noch mehr in den Teufelskreis gekommen: Die zu enge Timebox hat zu Beziehungsstörungen geführt, diese konnten aufgrund der Timebox nicht bearbeitet werden, was zu noch weniger Achtsamkeit im Umgang miteinander und somit noch häufigeren Störungen geführt hat usw. So hatten wir eine Zeit in unserem Team, in der wir immer weniger Lust hatten, zu den internen Meetings zu kommen. Dabei hätten wir es eigentlich am Besten wissen sollen: Beziehungsklärung vor Sachklärung!

Störungen können aber auch banalerer Natur sein, wie Hunger, Pausenbedürfnis oder kurzes „Abgehängtsein“ bei einem Thema. Wichtig ist, dass Du sie wahrnimmst – bzw. den Raum gibst, sich bemerkbar zu machen, wenn man eine Störung hat – und diese bearbeitest! So lautet eine der wichtigsten Regeln aus der Themenzentrierten Interaktion: „Störungen haben Vorrang!“.

5. Gib Meinungsfragen an die Runde zurück

Wie schon besprochen, kann es etwas “hakelig” werden, wenn wir uns als Moderatoren inhaltlich einmischen. Manchmal ist es aber auch umgekehrt: Nicht die Moderatorin ist diejenige, die sich aktiv inhaltlich einmischt, sondern das Team versucht, die Moderatorin in die Diskussion zu ziehen. Gegebenenfalls auch im Sinne von „auf die eigene Seite ziehen“. Auch dabei solltest Du aus den gleichen Gründen auf der Hut sein, wie schon beim vorherigen Tipp. Du kannst aber einfach die Frage an die Runde zurückgeben: „Was denkt Ihr dazu?“.

6. Es ist KEIN Bloßstellen oder Fingerpointing, wenn Du dem Team den Spiegel vorhältst: Verbalisieren und Moderieren sind Deine Kernaufgaben

Wenn ich mit manchen Agile Mastern darüber spreche, Dinge im Team z. B. in einer Retrospektive aktiv zu thematisieren, nehme ich häufig ein gewisses Zögern wahr. Man wolle ja kein Fingerpointing betreiben oder jemanden bloßstellen. Das ist ein großes Missverständnis. Denn einer Einzelperson vor versammelter Mannschaft Feedback zu geben, ist nicht gemeint. Definitiv Dein Job ist es aber, dem Team als Ganzes einen Spiegel vorzuhalten. D. h. ganz neutral Deine Beobachtungen zum Umgang miteinander und der Selbstorganisation im Team zu teilen.

Hier kannst Du auch Hypothesen zur Auswirkung auf Gefühle, Gedanken und Verhalten von Teammitgliedern aufstellen, die Du natürlich als Vermutungen kenntlich machst, oder Widersprüche zu vereinbarten Werten und Prinzipien aufzeigen.

Und dann fragst Du das Team, wie sie das empfinden und ob sie daran etwas verändern wollen. Wenn sie das anders empfinden als Du und nichts daran machen wollen, musst Du das akzeptieren. Du kannst es aber gegebenenfalls später anlassbezogen wieder einbringen.

 

7. Schmeiß den Rest weg – was wichtig ist, kommt wieder.

Häufig beobachte ich, dass alles, was gesammelt, aber nicht bearbeitet wurde, immer wieder mitgenommen, irgendwo eingepflegt und immer wieder durchgegangen wird. Man baut sich einen regelrechten Verwaltungsakt der offenen Themen auf. Ein agiles Prinzip lautet: Schmeiß weg! Was wichtig ist, kommt wieder!

Die Basistipps für eine gelingende Moderation würden Dich auch nochmal interessieren? Dann lies gerne die anderen Blogbeiträge dieser Serie zu Arbeitsmaterialien & Co, Effizienz, Haltung und dem richtigen Fragen während einer Moderation.

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