Retro mit Vater, Mutter und drei Kindern

Familie Häusling lebt agile Prinzipien

André hat sich auch mit seiner Familie agil aufgestellt – in Corona-Zeiten gezwungenermaßen ganz konsequent. Wie das läuft? Erstaunlich gut. Ein Erfahrungsbericht mit Erklärvideos. MAZ ab!

Vor einigen Monaten haben wir in unserem Familienleben begonnen, agile Prinzipien und Tools auszuprobieren. Ich war neugierig, ob bestimmte Prinzipien, die im Arbeitsalltag funktionieren, auf das Leben in der Familie übertragbar sind. Mit einigen Kunden habe ich darüber gesprochen, wie sie außerhalb des Büros in ihren Familien agil „arbeiten“ und dabei einzelne Werte, Prinzipien und Werkzeuge nutzen.

Dann kamen die Corona-Ferien und wir haben als Familie entschieden, noch konsequenter agile Elemente zu nutzen. Quasi aus der Not heraus, denn auf einmal wurden die Schule und auch der Kindergarten geschlossen. Meine Reisezeiten als Berater wurden deutlich eingeschränkt, sodass wir seit fast drei Wochen viel zusammen lernen.

Ich habe drei Kinder: Maximilian (8 Jahre alt und in der 3. Klasse), Charlotte (6 Jahre alt und in der 1. Klasse) sowie Benedikt (3 Jahre alt und in der Kita). Meine Frau Astrid gründet aktuell ein eigenes Unternehmen, und da waren auch schon unsere Herausforderungen: viele unterschiedliche Bedürfnisse.

Agiler Familienalltag im Protokoll

06.00 Uhr

Meistens wird Ben als erster wach – die Zeitumstellung spielt mir im Moment in die Karten. Er ist ein Energiebündel. Kurze Zeit später sind Max und Charlotte auch quicklebendig. Der Tag beginnt.

07.00 Uhr

Da wir derzeit unsere Zeit zu Hause verbringen, starten wir morgens mit einem Sportprogramm. Meistens gehen wir etwa 4 km joggen, Ben ist im Babyjogger dabei, Charlotte auf dem Roller und Max joggt gerne mit. Das tut uns allen als Ausgleich schon mal ganz gut.

08.00 Uhr

Nach den üblichen Dusch- und Waschroutinen frühstücken wir zusammen. Das klingt sehr romantisch, aber es ist ein Frühstück mit drei kleinen Kindern. Wassergläser fallen um, Butter wird an alles mögliche geschmiert und wenn Zeitdruck wegen anstehender Termine hinzukommt, wird es unentspannt.

Stand-up mit Charlotte

08.30 Uhr

Zeit für unseren Morgenkreis. Er ist ein wenig vergleichbar mit einem Stand-up. Wie der Morgenkreis abläuft, erklärt Dir Charlotte in diesem kurzen Video:

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https://youtu.be/AUT0EozXKdM

 

Meistens macht der Morgenkreis echt Laune. Es gibt allerdings auch Morgenkreise, bei denen es an Disziplin mangelt. Wobei das im Berufsalltag ähnlich ist. Manchmal wünsche ich mir einen externen Scrum Master, der unseren Morgenkreis moderiert. Bisher habe ich keinen gefunden oder meine Kollegen wollten dafür zu hohe Tagessätze 🙂

Bevor wir dann in den Tag starten, haben wir noch unseren Familien-Schlachtruf: „Gooooo Teaaaaaam Häääusling!“

09.00 Uhr

Um neun Uhr teilen wir uns auf. Ich arbeite von 9 Uhr bis 12.30 Uhr an den HR-Pioneers-Themen. Meine Frau startet mit den Kindern das Schulprogramm. Wir haben die zu erledigenden Aufgaben für die Kinder über Boards organisiert. So können sie sich jeden Tag die Fächer und Themen ziehen, die sie machen wollen. Das funktioniert erstaunlicherweise sehr gut. Die Herausforderung für meine Frau ist vielmehr, Ben mit seinen drei Jahren zusätzlich zu bespaßen, während die anderen beiden sie mit Fragen bombardieren.

Manchmal steht eines meiner Kinder in einer Videokonferenz mitten im Arbeitszimmer. Am Anfang habe ich krampfhaft versucht, dies zu vermeiden, megaprofessionell zu sein – und meine Tür abgeschlossen. Aber das laute Hämmern an die Tür war keine tragfähige Lösung. Mittlerweile ist das Verständnis bei meinen Kindern gestiegen, dass ich konzentrierte Arbeitszeiten benötige und bei meinen Kunden dafür, dass Unruhe im Hintergrund herrscht.

Von den Lehrerinnen der Kinder haben wir bisher erstaunlich wenig gehört. Bis auf die Arbeitsblätter auf der Schul-Homepage gibt es keinerlei digitale Angebote der Schule oder Lehrer. Ich frage mich, was so schwer daran ist, sich mit den Kindern als Lehrer in Verbindung zu setzen. 

Als HR Pioneers engagieren wir uns an einigen Schulen, um deren Transformationen zu unterstützen. Unser Bildungssystem ist in vielen Teilen wirklich sehr beschämend. Das fällt mir gerade in dieser herausfordernden Zeit auf. Ich finde es schade, dass die Chance zum Ausprobieren, zum „einfach mal machen“ nicht genutzt wird. Zumindest nicht bei uns.

Lobdusche beim Mittagessen

12.30 Uhr

Wir treffen uns alle zum Mittagessen. Unser Special während des Mittagessens: An einigen Tagen machen wir eine Lobdusche. Charlotte erklärt Dir die Lobdusche hier im Video. 

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https://youtu.be/tMZFiVMySPE

 

Das ist echt der Hammer. Wie sich unsere Kinder freuen, wenn sie von allen anderen Familienmitgliedern volle Wertschätzung bekommen. Das ist unvergesslich, ich kann es echt empfehlen.

Bis 14 Uhr machen wir dann eine Mittagspause und unsere pädagogische Hilfskraft Netflix kommt zum Einsatz.

14.00 Uhr 

Nachmittags arbeite ich bis 17.00 Uhr etwa weiter und meine Frau macht mit den Kindern ein Kinderprogramm: Gartenprojekte, kleinere Wanderungen, Oster-Dekoration basteln und vieles mehr. Hierfür haben wir mit den Kindern ein eigenes Ideen-Backlog erstellt.

17.00 Uhr

Jetzt ist Papa-Zeit. Meine Frau ist froh, eine Stunde Kinderpause zu haben. Die Kinder freuen sich darauf, mit mir zu spielen und ich mich, mit ihnen Zeit zu verbringen.

18.00 Uhr 

Abendessen. Die Akkus sind leer. Hin und wieder führt dies zu Ruhe, häufig zu einer weiteren Anstrengung.

Nach dem Abendessen geht es für die Kinder ins Bett. Wir schauen, dass gegen 20 Uhr Ruhe ist. 

Anschließend besprechen meine Frau und ich den nächsten Tag, und wir genießen Zeit zu zweit. Oftmals wird das Mittagessen vorbereitet oder ich ziehe mich nochmal ins Arbeitszimmer zurück.

So geht Familien-Retro

Am Wochenende machen wir eine gemeinsame Retro – in unserem Familienrat. Charlotte hat uns letzte Woche eine Methode beigebracht, die sie in der Schule kennengelernt hat. Auch mit Dir teilt sie diese gern:

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https://youtu.be/75Ie3c9FZJo

 

Die Selbstreflexion der Kinder hat sich sehr gut entwickelt. Selbst Ben mit seinen drei Jahren kann gut mitmachen. Wir lernen als Familie jedes Mal dazu und lernen besser unsere unterschiedlichen Bedürfnisse kennen.

Bei aller Tragik, die mit dem Corona-Virus verbunden ist, habe ich die Hoffnung, dass uns die Zeit als Familie weiterbringt. Bei allen Streitigkeiten und dem Stress entwickeln wir aktuell Rituale und Denkweisen, die uns gut tun und unser Zusammenleben prägen. Bestimmt auch für eine Zeit, in der die Schule und die Kita endlich wieder los gehen.

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3 Kommentare

  1. Lieber André,
    eine klasse Idee. Es zeigt mir wie bewusste Reflexion schon früh verinnerlicht werden kann. Ich Wünsche mir auch in der Schule mehr gemeinsame Reflexion zwischen Lehrer*innen, Eltern und Schülern. Meine Tochter soll in zwei Wochen Abi schreiben. Du kannst dir nicht vorstellen was sich Lehrer und Eltern zu Corona Zeiten hierzu alles einfallen lassen und äußern.
    Schade das die Kinder gerade nicht mit anderen spielen können. Es ist bestimmt eine sehr intensive Zeit für euch, mit drei Kindern der Wohnung.

    Hier meine Kindheitsgeschichte und der Gedanke was Kinder mit Effectuation und Freiheit machen können.
    https://www.agile-blacksmith.de/blog/effectuation/

    Wollen wir hoffen, dass wir bald wieder alle „frei“ mit anderen treffen können.

    Liebe Grüße
    Manfred

  2. Hallo, ich interessiere mich beruflich auch für agiles arbeiten und finde die Anregungen sehr gut und werde mir auch etwas abgucken. Ich finde die Rollenverteilung ist in diesem Beispiel eindeutig. Frau ist zuständig für Kinder und Haushalt. Mann arbeitet. Was ist wenn beide berufstätig sind? Wie funktioniert agiles remote working dann? Wer macht den Haushalt, wer kocht, wer betreut und bespaßt das Kind und vor allem wer arbeitet wann. Parallel oder in Schichten? Das nenne ich Herausforderung. Noch schwieriger ist es für Alleinerziehende. Für solche Vorschläge wären die meisten Arbeitnehmer dankbar. Das oben stehende Beispiel ist schön, aber in Realität der heutigen arbeitenden Gesellschaft nicht der Standard. Welchen Beitrag leisten die Männer in ihren Familien?Wir sind sehr organisiert und haben auch einen Wochenplan, wer wann arbeitet, damit sich unser Kind orientieren kann und auch wir den Überblick behalten. Aber wir gehen an die Grenze des möglichen was ein Tag her gibt. Wie uns geht es vielen. Und das ist auf Dauer nicht gesund. Ich wünsche mir einen Beitrag wie agiles remote working funktioniert, wenn beide Eltern arbeiten gehen oder wenn man Alleinerziehend ist.

  3. Lieber André,
    herzlichen Dank für die schönen Anregungen – natürlich geht der Dank auch an Charlotte für die tollen Videos. Vor allem die „Familienretro“ mit den wunderbar gestalteten Symbolen hat es mir angetan.
    Das werden wir einfach mal ausprobieren. Ich hoffe der Familienrat stimmt zu 🙂
    Uns hilft in dieser Zeit auch vor allem die all-abendliche Gute Nacht-Frage an die Kinder „Was war das schönste am Tag?“
    Wichtiger denn je, die Gedanken auf das Positive zu lenken und sich an den kleinen Dingen zu freuen.
    Und siehe da, es lässt sich jeden Tag etwas finden. Mal ist es das lustige Abendessen, mal das wir weniger gestritten haben als am Tag zuvor 😉
    Herzliche Grüße, Tina

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