Emosis statt Emojis

HR Pioneers kreativ im Lockdown

Die Mitarbeiterin verspürt zunehmend Aggressionen hinsichtlich der Anzahl der Meetings und der damit verbundenen Bildschirmzeit. Aber auch Milde macht sich breit – die Emosis sind am Start!

18.03.2020 – Emosis geleiten in den Tag

Premiere! Gestern hatte ja die Initiative für Emotionale Stabilität getagt und schon heute sollte das erste Ergebnis in die Tat umgesetzt werden. Ab sofort gibt es bei den HR Pioneers eine neue Tradition: Die Emosis (Emotionale-Stabilitäts-Initiativlinge) geleiten alle mit einem schönen Zitat oder Gedicht oder einer Geschichte via Slack-Channel in den Tag. In dem Fall mit “Sei geduldig in allen Dingen, vor allem mit Dir selbst.” (Johann von Sales). “Das tut gut”, so die Rückmeldung vieler Pioniere. “Die Wiebke von Marketing zitiert den Franz von Sales –  das nenne ich mal crossfunktional”, so die Rückmeldung vom Martin.

19.03.2020 – Little less conversation

Schon morgens hatte ich den Kaffee nicht nur frisch gebrüht in der Tasse, sondern auch offen. Noch im Bett hatte ich überschlagen, dass ich laut Plan die Hälfte der Arbeitsstunden diese Woche in Meetings investieren sollte. Wenn man dann noch die Zeit dazurechnet, die darüber hinaus mit interner Kommunikation verbracht wird, kommt man auf eine Netto-Arbeitszeit von … lassen wir das. So exponentiell wie das Virus sich verbreitet, so exponentiell wuchsen in dieser ersten Full-Remote-Woche auch unsere Meeting-Zeiten an. Aber wenn man es genauer besieht: Es ist erst der vierte Tag der großen Disruption und es stellt sich gerade arbeitsmäßig alles auf den Kopf – da darf es auch noch Gesprächs- und Meeting-Optimierungsbedarf geben. Zudem habe ich es selbst in der Hand.

Nach dem Marketing Check-in ließ ich dann erstmal das Stand-up für alle ausfallen und begab mich erst in den Ideen-Call um 10. Ideen haben wir ja genug. Unsere Frage natürlich, wie können wir trotz Corona für unsere Kunden da sein? Und selbstverständlich: Wie können wir Umsatz generieren? Wir sind nicht naiv, es geht um unsere Existenz – wie bei vielen anderen Unternehmen auch. Noras heutige Emosi-Geschichte vom alten Straßenkehrer aus Momo hat uns da aber einstellungsmäßig sicher geholfen: immer einen Schritt vor den anderen machen. Die Ideen werden mit Canvas vorgestellt und dann von den POs priorisiert. Wer wo mitmacht, hängt seinen Kopf dran. Fertig.

Emosis at work

Emosi Nora stellt zudem weitere Maßnahmen vor. Wer möchte, hat nun zweimal die Woche die Chance, die anderen Pioniere nachmittags zum virtuellen Käffchen in Teams anzutreffen. Und wir wollen den Second Body ins virtuelle Leben bringen. Das Prinzip hat der vietnamesische Zen-Meister Thich Nhat Hanh erfunden. In einer Gemeinschaft können nicht alle aufeinander aufpassen, und man verliert schnell den Überblick. Aber wenn ich mich beispielsweise um Nora kümmere, Nora um Bernd, der um Mimi und die um Alina und Alina um mich – ist reihum für alle gesorgt.

Second Body haben wir schon zweimal über die mehrtägigen Labs ausprobiert. Es tut gut, wenn man weiß, dass jemand nach einem schaut; es ist schön, auf jemand anderen zu achten. Und man erhält als Moderatorin einer über 20-köpfigen Gruppe sachdienlichere Antworten, wenn man morgens oder nach einer Pause fragt “Sind alle Second Bodies da?” als auf die Frage: “Sind alle da, wer fehlt denn noch?”.

Einfach mal nett sein

Erfreulich: Die Anti-Begeisterung hinsichtlich der Meetings ist bei anderen Pioniersmenschen ebenfalls zu verspüren. Ein gutes Zeichen dafür, dass das ganze nach der Freitags-Retro zur ersten Woche umgehend entschlackt wird. Da sind wir schnell. Und es war ja tatsächlich nur ein Vorschlag ins Blaue hinein. Die Kollegen aus Consulting und Academy sind das aber auch aus ihrem Arbeitsalltag viel stärker gewohnt – wir Marketiere sind üblicherweise viel mehr Angesicht zu Angesicht unterwegs, weil wir ja auch in der Oase arbeitsleben.

Kollege Martin schickt mir zwischen den Videokonferenzen proaktiv den Link zum Archiv der Bravo. Dort hat man in diesen Social-Distancing-Zeiten freien Zugriff auf alte Ausgaben, damit man sich in der Quarantäne nicht langweilt. Diese Corona kann auch nett sein. Und der Martin ist das immer.

Revierkämpfe um die Home Working Areas

Nicht so nett ist es nun bisweilen in den häuslichen Gegebenheiten. Plötzlich muss eine Wohneinheit zwei Menschen im Homeoffice dienen. Reviere wollen verteidigt werden. Das kann fatale Folgen haben, deren psychische Langzeitwirkungen noch nicht erforscht sind. Da muss ein Mann nach Jahren seinen Lieblingsarbeitsplatz in der Küche verloren geben, weil die Frau plötzlich tagsüber zu Hause ist und Unruhe stiftet. Und da steht ein Freiheit gewohnter Kater plötzlich vor verschlossenen Türen, hinter denen in Ruhe telefoniert werden will. Wenn die Dosenöffnerin nicht nur über Tage klare Unmutsäußerungen ignoriert, sondern auch noch anfängt, auf einer Matte Verrenkungen zu machen, die ausgerechnet ausgleichend wirken sollen – wer wird sich da wundern, dass es zu Nahkampf in vier Wänden kommt?

Thank God it’s Friday!

Eins stand jedenfalls schon Mittwoch fest: Ich freue mich aufs Wochenende! Nicht, weil ich mich mit Freunden treffen, Party mache oder shoppen gehe – #WirBleibenZuhause. Sondern weil ich dann mal innehalten und durchatmen kann. Weil ich mir überlegen werde, wie ich in diesem neuen Alltag besser arbeiten und vor allem auf mich aufpassen kann. Wie reduziere ich die Zeit, die ich an Rechner oder Smartphone verbringe – zusätzlich ja auch um über Corona zu lesen und zu hören? Wie kriege ich mich dazu, fokussiert zu arbeiten? Wie kann ich körperliche Betätigung in den Tag integrieren und wie komme ich wieder regelmäßig auf mein Meditationsbänkchen – gerade jetzt?

Die Stimmung ist aber wieder besser: Zum einen wegen Bernds wunderbarem Emosi heute morgen, das mir Hoffnung macht, die Menschheit möge durch das Virus nochmal zur Vernunft kommen. Mal positiv gedacht: Wann wurden Menschen – alte Menschen, vorerkrankte Menschen – so dermaßen über die Wirtschaft gestellt? Wann war zuletzt an einem Wochentag solch eine wohltuende Stille über der Stadt? Und wie freut sich das Klima, dass die Autos und Flugzeuge abgestellt bleiben? Auch wenn der Preis natürlich ein sehr hoher ist.

Zum anderen habe ich festgestellt, dass die Meetings sich für mich wie von Zauberhand ausgedünnt haben. Vertraue dem Prozess: Da ich gestern kein Projekt gezogen hatte – Zeit zum Einfach-mal-arbeiten bis sage und schreibe 15 Uhr! Dann stehen Remote Sprint Review sowie Remote Sprint Retro an. Bin gespannt, wie meine Brüder und Schwestern diese Woche erlebt haben. Und wie wir zum ersten Mal eine Remote-Retro durchführen. Agil arbeiten ohne bunte Klebezettel? Till hat da diese Woche bereits Erfahrungen beim Kunden gesammelt.

Meine neuen Freunde

Der Umgang ist eben mittlerweile virtuell. Und neue Menschen sind in mein Leben getreten. Zum Beispiel Prof. Dr. Lothar H. Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, mein Mann des Monats. Wie der so voller Gleichmut und Bescheidenheit tagtäglich die Pressekonferenzen abhält, freundlich die Gebärdendolmetscherin begrüßt und ernsthaft wie ruhig Klarheit verbreitet: einfach top! Mein Lieblingssatz von ihm: “Ich richte meinen Appell jetzt an die Menschen, die entscheidend sind – … und das sind wir alle.” Gilt eigentlich immer. Ich werde ihn vermissen, wenn der Scheiß endlich rum ist.

Harald Welzer wiederum sagte in einer Talkshow: “Das ist für uns alle eine Lerngeschichte.” und “Das Virus legt Probleme offen, die wir sowieso schon haben.” Darin liegen unsere Chancen. Lasst sie uns nutzen und lernen, lernen, lernen. Genau hinschauen und Dinge ändern. Positiv, auch für die Zeit nach der Krise. Denn sie wird kommen. Alles ändert sich. Immer wieder.

Nächste Woche werden wir unsere ersten Lernerfahrungen hier in den Blog bringen. Bis dahin: Bleib gesund!

Wie alles anfing, kannst Du hier nachlesen.

 

1 Kommentar

  1. Die Sache mit dem Homeoffice – das kennt jeder Startupgründer und viele Selbstständige bereits durch eigene Erfahrungen.

    Das ist nicht neu, und das ist auch gut so weil es dadurch unmengen Beiträge zu den Themen gibt:
    – wie man im Homeoffice arbeitet ohne das alles aussieht und sich anfühlt wie in einem Büro
    – wie man Work-Life-Relationsship Balance auch im Homeoffice hält
    – wie die Arbeit als Digitaler Nomade (ok, aber nur an einem Standort) aussieht – was auf Reisen funktioniert, klappt auch zuhause meistens gut.

    Neu ist allerdings: der Partner ist auch im Homeoffice, arbeitet aber nicht an der selben Sache. Na, doch vielleicht zusammen eine eigene Firma gründen? 😉

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