Arbeitsleben in der Krise

Die HRP Homeoffice Story

Die HR Pioneers sind eine Bande von Knuddeltieren. Unsere Besonderheit ist der persönliche Kontakt – untereinander, aber genauso mit unseren Kundinnen und Kunden. Die komplette Zusammenarbeit remote? Am 12. März 2020 war das noch unvorstellbar, einen Tag später gelebte Realität.

13.03.2020 – Die Situation ist ernst

Und ich dachte vorher noch: Ach, das Townhall findet diesen Monat an einem Freitag, dem 13. statt. Dann überschlugen sich die Dinge – rasend schnell, in der eigenen Wahrnehmung irgendwie in Zeitlupe. Die Corona-Meldungen wurden immer brisanter. Unser Pioneers Development Circle (PD) und unser Geschäftsführer André ließen uns wissen, wir mögen auf unsere Gesundheit aufpassen, reisen nach eigenem Ermessen. Das Stichwort „gesunder Menschenverstand“ fiel immer öfter.Und es war jeder und jedem freigestellt, auch bei Zeit und Lust, die Kollegas persönlich zu treffen, am Townhall nur remote teilzunehmen.

Doch nach und nach häuften sich die Menschen in der Slack-Abfrage, die davon Gebrauch machten: „Ich gehe noch zum Kunden, da will ich vorher so wenig Kontakte wie möglich haben.“, „Ich bin erkältet, das braucht jetzt auch niemand sonst.“, „Mir ist es zu heikel, auf der Anreise vielleicht Überträger zu sein.“ – so die Begründungen.

Bei der Einwahl in den Teams-Call „Townhall“ war die Geräuschkulisse gewohnt wuselig. Vor diesem Hintergrund prangte aber bereits über den vollen Bildschirm der Remote-Teilnehmenden die Präsentation, die André mit uns teilte: „Die Situation ist ernst“ war auf der Folie zu lesen.

„Schützt Eure Gesundheit!“

Und so wurde die eigentliche Agenda schlichtweg übe den Haufen geworfen. Nur für einen ALI (Atmen – Lächeln – Innehalten) und den darauffolgenden Check-in „Wie geht es Dir jetzt?“ haben wir uns bewusst Zeit gelassen. Die Gefühle waren gemischt, das Wort „surreal“ fiel mehrfach. Entsprechend begann André seine Rede auch mit „Vielleicht werdet Ihr in ein paar Wochen über meine Paranoia lachen, aber das ist mir lieber, als wenn wir jetzt etwas versäumen.“ Und er gab die Orientierungspunkte für die nächsten Wochen (Monate?) vor:

  1. Schützt Eure Gesundheit und kümmert Euch um Euch und Eure Lieben!
  2. Es geht darum, unsere Arbeitsplätze bestmöglich zu sichern.

Dann schaltete er in den HR Pioneers-Krisenmodus. Es ging um Liquidität. Aber auch um Kundenbeziehungen und um Freelancer, die eventuell eher unterstützt werden müssen, als der Krise zum Fraß vorgeworfen. Damit verbunden sprach André ausdrücklich keinen Ausgabenstopp aus. Wieder gab es den Verweis auf den gesunden Menschenverstand.

Abschied per Mouseclick

Danach ging es abwechselnd gemischt vor Ort/remote in Absprachen innerhalb der internen Teams und der Gesamtorganisation. Was ist jetzt noch zu tun hier in der Pioneers Oase? Wer muss was noch mit ins Homeoffice nehmen? Was muss heute noch entschieden werden? Was sollte geklärt werden? Wie soll der Prozess der virtuellen Zusammenarbeit in den nächsten Wochen aussehen? Wie können wir unsere emotionale Stabilität erhalten?

André hatte einen Vorschlag für eine Meetingstruktur in der darauffolgenden Woche mitgebracht, den wir gerne annahmen.

Und formulierte immer wieder in allen Zusammenhängen den Appell: Lasst uns friedlich, gütig und wohlgesonnen miteinander umgehen, auch wenn an der ein oder anderen Stelle die Nerven blank liegen. Lasst uns unser Wertegerüst erhalten, egal was kommt. Lasst uns unsere Unternehmenskultur, die sich über das letzte Jahr so weit entwickelt hat, in allen Umständen bewahren.

So gingen wir vom Townhall ins Wochenende. Zum ersten Mal ohne Umarmungen. Und die Hälfte der Pioniere nicht durch die Bürotür, sondern mit einem Mausklick.

16.03.2020 – Verschiebung der Konferenz

Montagmorgen 9 Uhr in Deutschland: Die HR Pioneers starteten wohl zum ersten Mal in ihrer Geschichte gleichzeitig und gemeinsam in die Woche. Aber deutlich weniger verwirrt im Check-in als noch am Freitag. Denn der hatte uns gezeigt, wie gleich wir ticken bei aller Verschiedenheit und wie gut wir uns an neue Situationen anzupassen vermögen.

Nach dem für alle offenem PO-Call und anschließendem Planning ging es in das Team-Meeting und irgendwann dann auch fürs Marketing mal an die Arbeit. Am Freitag hatten wir auch das Thema Konferenz abschließend besprochen und so konnten wir Montag in die Kommunikation der Terminverschiebung gehen. Mit Bedacht und vielen Gedanken rundherum, aber auch mit Klarheit.

Und auch in anderen Bereichen werden erste Lösungen vertestet: Im Check-in am Morgen berichtete André, dass sich seine Familie zu Hause agil aufgestellt hat. Esther teilte ein Foto der Belohnungstafel, das im Hause Römer für Ruhe sorgen soll. Und nach und nach wird in den Meetings das ein oder andere Kind in Bild und Ton wohl Standard werden.

Tiefpunkt des Tages: Zwei Kollegen waren aus dem Skiurlaub zurückgekehrt und mussten in Quarantäne. Da war erstmal Stille.

17.03.2020 – Remote arbeiten, na und?

Einen Satz fand ich bezeichnend an dem heutigen Tag. Ich sagte ihn in unserem ersten Remote-Marketing-Weekly zu meinen Teamkollegen: „Wir arbeiten erst den zweiten Tag so und es ist 12.41 Uhr …“ Das ist typisch für uns: Wir gewöhnen uns schnell an Situationen und wundern uns nach erstmaligem Ausprobieren von was-auch-immer, dass es noch nicht vollständig routiniert abläuft.

Was sich zudem abzeichnet: Die Eltern unter uns sind gestresst von der Doppelbelastung zu Hause. Wohl dem, der sein Kind mit Papa zum Arbeiten schicken kann.

Und die Mütter in Teilzeit haben ein schlechtes Gewissen, dass sie nicht mindestens Vollzeit arbeiten in dieser Situation. An dieser Stelle sei es mal deutlich gesagt: Es ist total nachzuvollziehen, dass solche Gefühle aufkommen. Aber Ihr braucht kein schlechtes Gewissen zu haben! Zum einen habt Ihr Euch die Situation nicht ausgesucht, zum anderen ist neben Gesundheit das Wichtigste zum Fortleben unserer Gesellschaft, dass Menschen Kinder in die Welt setzen und sich um sie kümmern. Punkt.

Abends telefoniere ich mit Nora und Bernd. Wir sind die Emotionale-Stabilitäts-Initiative und damit beauftragt, Möglichkeiten zu eruieren, wie wir ebendiese herstellen und erhalten. Nach einer halben Stunde war der Plan geschmiedet. Und Mimi macht auch mit, yeah!

Überhaupt habe ich noch nie so viel mit Pionierinnen kommuniziert. Mal eben den angerufen, mal der slacken, eine Whatsapp hier, ein Meeting per Teams dort. Ernstes, Spökes, alles.

Das Schönste am Tag: Die positiven Reaktionen der Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmer, Referentinnen und Referenten der Agile HR Conference 2020 auf die Verschiebung. Von Herzen Dank! Wir wissen schon, warum wir Euch allen unbedingt persönlich gegenüberstehen wollen und Euch dann hoffentlich auch wieder an unser Herz drücken können.

In den nächsten Wochen werden wir weiter berichten, wie wir mit den unerwünschten Arbeits- und Lebensbedingungen umgehen. Werden Hacks und Lösungsmöglichkeiten, Vertestungsergebnisse etc. teilen. Falls Du zu irgendetwas Fragen oder Anmerkungen hast, zögere nicht, sie zu stellen.

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