Gedanken zum Weltfrauentag

Was hat das mit uns und unseren Werten zu tun?

female and male

Vor ein paar Tagen fragte meine Kollegin Wiebke, ob wir etwas zum Weltfrauentag zu sagen hätten. Erst dachte ich mir, oh Mann, das ist ja von gestern. Die Studie der Weltbank zur gesetzlichen Gleichstellung von Frauen und Männern belehrte mich eines anderen. Weltweit haben Frauen in nur sechs Ländern die gleichen Rechte wie Männer – Deutschland ist nicht dabei. Deutschland ist nicht unter den ersten zehn Ländern, auch nicht unter den ersten 20 Ländern. Auf Platz 31 findet der Geduldige Deutschland.

Arbeitsfähig – auch mit Kind

Ich finde, uns geht es verdammt gut hier in Deutschland – egal ob Frauen oder Männern oder Kindern oder oder oder … Aber Platz 31 hat mich zum Nachdenken gebracht. Vor einiger Zeit las ich eine Bewerbung einer Frau, in der stand: Frau mit zwei Kindern, Betreuung ist gesichert. Sprich: macht Euch keine Sorgen, ich kann bei Euch arbeiten, auch wenn ich Kinder habe. Wie traurig ist es bitte, dass wir immer noch beweisen müssen, dass wir arbeitsfähig trotz Kindern sind? Was sagt das über Werte und Einstellungen gegenüber Frauen und Männern mit Kindern aus? Apropos Väter, ich habe diesen Kommentar noch nie in einem Anschreiben bei einem Vater gesehen. Ich habe zwei Kinder, Betreuung ist sichergestellt. Nehmt mich bitte.

Als ich damals mein erstes Kind bekam, habe ich mir in Folge einen neuen Job gesucht. Ich hatte große Selbstzweifel wie ich Job und Kind unter einen Hut bekomme und habe mich viel zu gering geschätzt und verkauft. Mein Gehaltsverlust, den ich bewusst in Kauf nahm, lag bei ca. 2.500 Euro pro Monat brutto (das ist nicht der Unterschied zwischen Voll- und Teilzeit!). Das ist für mich o.k., ich habe mich dafür entschieden. Was ich aber in der Zeit erschreckend fand: weder unter Männern noch unter Frauen haben wir uns gegenseitig Mut gemacht, uns signalisiert, dass wir das schaffen, das Job und Familie vereinbar sind. Bis heute beschäftigt mich der Satz eines Arbeitgebers: Ihr Frauen in Teilzeit seid ja auch einfach viel teurer und dann erst Eure Ausfälle mit kranken Kindern. Das müssen wir Arbeitgeber uns erst einmal leisten können. Das hat wehgetan!

Werte im (agilen) Unternehmensumfeld

Ich habe in meinem jetzigen Job unglaublich viele Freiheiten (teilweise hart erkämpft) und ich bin dankbar dafür. Ich spüre, dass unsere (agilen) Firmenwerte damit einher gehen, dass wir vieles für unterschiedlichste Lebenskonzepte möglich machen und dass wir uns alle dadurch sehr engagieren. Weil wir es wollen, weil wir Sinn darin sehen. Werte wie Transparenz, Mut, Vertrauen, Flexibilität und Offenheit stehen ganz oben.

Das Thema Werte im (agilen) Unternehmensumfeld beschäftigt mich seit einigen Monaten so sehr, dass wir derzeit ein Reflexionsbuch entwickeln. In dem Arbeitsbuch wird es darum gehen, sich mit Werten ganz praktisch auseinanderzusetzen. Denn wir glauben, dass echte agile Unternehmensveränderung nur mit Kulturentwicklung einher geht. Und das ist harte Wertearbeit! Übrigens, wir fragen gerade unsere Kunden, welche Werte für sie am wichtigsten sind.

Eine Situation aus den letzten Wochen ist mir ganz besonders im Gedächtnis geblieben: Eine Kollegin sprach mutig und offen einen für sie gefühlten Missstand an, der das Thema Gleichberechtigung betraf. Anstatt Kritik oder Unverständnis herrschte Betroffenheit im Team. Wir versuchen nun mit unseren Worten gegenüber gleich welcher Personengruppe sensibler zu sein. Denn Frauen sind nicht so und Männer auch nicht so. Wir sind alle verschieden, sollten aber alle die gleichen Chancen haben!

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