Intuition trainieren – geht das?

Drei Schritte zum Bauchgefühl

Intuition ist eine innere Wahrnehmung, die alles umfasst, was man zu einer bestimmten Sache und Zeit fühlt und weiß – und wenn sie es einem mitteilt, dann nicht eines nach dem anderen, sondern alles auf einmal. Unmittelbar, subjektiv stimmig und „ganz“. Zum Beispiel über das sprichwörtliche Bauchgefühl, das man rational nicht richtig erklären kann. Oder etwas liegt in der Luft, man findet aber nicht die treffenden Worte zur Beschreibung. Oder es entsteht ein inneres Bild, man kann es über konkrete Merkmale aber nur unzureichend verbal wiedergeben. Man weiß, dass man etwas weiß, aber nicht wie man es wissen kann.

Jeder Mensch hat diese Fähigkeit, sie ist angeboren. Jeder nutzt sie täglich. Sie ist wie ein Muskel, allerdings einer, der oft kaum bewusst wahrgenommen, geschweige denn trainiert wird. Mit Blick auf die Veränderungen in der Arbeitswelt und der Entwicklung hin zu agilem Arbeiten ist Intuition als grundlegende Fähigkeit immer stärker gefordert. Es ist von Vorteil sie zu trainieren, gezielt mit ihr zu arbeiten und im unternehmerischen Handeln zu verankern. Nicht als Ersatz für den Verstand. Aber als gleichwertige Ergänzung.

Schritt eins: Innere Ruhe schaffen

Unsere Intuition können wir in der Regel nicht auf Kommando abrufen. Aber wir können sehr wohl Übung darin gewinnen, die Voraussetzungen zu schaffen, unter denen sie sich am besten entfalten kann. Intuition ist wie ein scheues Reh, sie zeigt sich nicht, wenn es laut und hektisch ist, sondern einfach und unvermittelt, wenn die Umstände passen. So wie die Einsichten, die sie hervorbringt.

Für innere Ruhe zu sorgen, ist daher eine wesentliche Voraussetzung. Und sei es nur für wenige, wiederkehrende Momente. Es geht darum, die Aufmerksamkeit zurück auf sich selbst zu lenken, in Kontakt mit sich zu kommen und abseits des ewigen Gedankenstroms zu spüren, was da an emotionalen und körperlichen Resonanzen los ist. Es gibt viele Wege, wie man das für sich selbst angehen kann, Meditation oder Yoga sind Klassiker. Das ist aber nur die halbe Miete. Es gilt auch auf kollektiver Ebene im Unternehmen Räume für innere Ruhe zu schaffen – vielleicht auch physische Räume, aber vor allem im übertragenen Sinn.

So wird in manchen Organisationen mit Meeting Check-In’s experimentiert oder zwischen Vorstellung und Diskussion eines Themas eine Reflexionsschleife in absoluter Stille vorgesehen. Mehr und mehr wird mit solchen Formaten gearbeitet und die Erfahrungen beispielsweise in der „The Art of Hosting“ Community aufbereitet und zur Verfügung gestellt.

Schritt zwei: Sinneswahrnehmung

Eine zweite wichtige Voraussetzung ist die Sensibilisierung der Sinneswahrnehmungen. Wenn man die Wahrnehmung über die klassischen 5 Sinne trainiert, sensibilisiert man sich automatisch mit für seine Intuition als „6. Sinn“. Wir nehmen pausenlos unzählige Reize über die Sinne auf, häufig ist die Aufmerksamkeit aber in vergangenen oder zukünftigen Gedankenwelten. Das Hier & Jetzt mit allen Sinnen aufnehmen – das Prinzip ist nicht neu und gewinnt auch im geschäftlichen Kontext in den letzten Jahren zum Beispiel in Form von immer vielfältigerem Prototyping einen höheren Stellenwert. Ein live erlebbarer Prototyp schlägt jede noch so schön gestaltete Konzeptpräsentation.

Schritt drei: Vertrauen

Das größte Hindernis ist häufig aber die Sorge, es „falsch“ zu machen. Kann ich der inneren Stimme trauen? Was sagen die anderen dazu? Spüre ich überhaupt meine Intuition oder redet mir der Verstand nur etwas ein? Wie soll ich auf etwas vertrauen, das ich rational nicht erklären kann? Der Verstand läuft dagegen Sturm zuweilen, Logik und vermeintliche Fakten werden aufgefahren. Zweifel loszulassen und sich selbst die Erlaubnis zu geben, den leisen inneren Impulsen nachzugehen ist die dritte, ganz wesentliche Voraussetzung. Das Vertrauen in die eigene Intuition wächst nur durch Ausprobieren, durch eigene Erfahrung. Wie jede Fähigkeit lernt man sie nicht durch Zuhören, sondern durch Übung.

Um bei sich selbst anzufangen, ist an der Stelle häufig ein Blick auf die eigene biografische Prägung wertvoll. Im Umgang mit Gefühlen und Körperwahrnehmung haben wir Verhaltensmuster gelernt, die uns im Bestreben, Intuition stärker zu nutzen, unterstützen oder eben auch limitieren können. Erlaubnis hat hier aber ganz besonders auch einen kollektiven Aspekt: die Unternehmenskultur. Wie weit müssen Entscheidungen faktenbasiert sein? Welche Akzeptanz haben Argumente außerhalb des Rationalen? Wie sehr sind Gefühle in der Organisation in einem professionellen Kontext besprechbar?

Intuition im agilen Arbeiten

Fragen wie diese gilt es zu beleuchten, wenn man auf dem Weg hin zu mehr Agilität die vorherrschende Kultur in der Organisation reflektiert. Die Reflektion ungeschriebener Regeln und ihrer konkreten Ausprägungen im Team bzw. im Unternehmen kann dabei so manchen Ballast bewusst machen.

Um bei agilen Transformationsprozessen die Voraussetzungen für eine stärkere Nutzung der intuitiven Fähigkeiten zu schaffen und diese zu trainieren, braucht man das Rad nicht komplett neu erfinden. Es gibt ausreichend wertvolle Formate und Methoden, die den Schwerpunkt darauf setzen, über Denken und Reden hinaus intensiv ins Spüren zu kommen. Es geht vor allem darum, sich dafür bei der Entwicklung hin zu Agilität bewusst Zeit und Raum zu nehmen, um sicherzustellen, dass wir eben nicht unter den Möglichkeiten bleiben. Weder individuell noch kollektiv.

Warum ist Intuition auch im agilen Mindset wichtig? Im ersten Teil des Blogbeitrags erfahrt ihr es.

Fotoquelle: Unsplash.com

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