Agilität lebt von Intuition

Wie wichtig ist das Bauchgefühl?

Viel ist schon geschrieben worden über den drastischen Wandel der Arbeitswelt. Mindestens genauso viel wird dazu diskutiert und dabei gerne das englische Akronym VUCA ins Feld geführt, das die vier Entwicklungen zunehmender Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität kurz und bündig zusammenfasst.

Organisationen unternehmen große Anstrengungen, Agilität zu entwickeln, um in den neuen Rahmenbedingungen wirtschaftlich erfolgreich sein zu können. Strategie, Strukturen und Abläufe müssen agiler werden. Führung, Kultur und das „Mindset“ sowieso.  Methoden werden geschult, Transformationsprozesse initiiert. Auch wer es als überstrapaziertes Schlagwort kaum mehr hören mag, das Grundprinzip ist wirtschaftliche Pflicht, keine Kür: Agilität als Fähigkeit eines Systems, sich dauernd wechselnden Bedingungen anzupassen und dabei zu lernen.

Was fordert Agilität von den Beteiligten? Häufige, sehr schnelle Entscheidungen zu komplexen Sachverhalten bei großer Unsicherheit zum Beispiel. Die Entwicklung valider Strategien als Handlungsgrundlage trotz disruptiver Geschäftsverläufe. Das Gestalten belastbarer Arbeitsbeziehungen in ständig wechselnden, cross-funktionalen Teams. Es wird selten explizit betrachtet: all das fordert weit mehr als in der Vergangenheit eine ureigene menschliche Fähigkeit – unsere Intuition.

 

Bauch versus Kopf im Arbeitsleben

Intuition fristet ein Randdasein, nicht zuletzt in unserem Kulturkreis und seit der Aufklärung, die mit dem Primat des Verstandes (Descartes: „Ich denke, also bin ich“) große wissenschaftliche Entwicklungen gefördert hat. Rationale Einsicht und logisches, analytisches Denken schwingen bis heute das Zepter. Nicht nur, aber ganz besonders im Arbeitsleben.

Einer soliden Entscheidung liegen möglichst umfassende, relevante Fakten zu Grunde, zu Tage gefördert von einer nachvollziehbaren Analyse. Diskutiert wird diese – bitteschön – immer auf der Sach-Ebene. Und wenn sich die innere Stimme doch deutlich bemerkbar macht und vehement eine bestimmte Richtung einfordert, wird das meist in rationalen Argumenten und passenden Fakten verkleidet. Häufig findet nichts anderes genug Akzeptanz in der Unternehmenskultur. Daran ist nichts verkehrt. Aber wir bleiben unter unseren Möglichkeiten.

 

Intuition als Entscheidungshilfe

Für agiles Arbeiten brauchen wir wieder mehr unsere intuitiven Fähigkeiten. Die zunehmende Volatilität schmälert den Nutzen einer Analyse, weil sich die Fakten teilweise schon wieder geändert haben, bis die Entscheidung getroffen ist. Auf welcher Basis kommt man dann zu einer guten Entscheidung?

Apropos Fakten: angesichts von Unsicherheit werden sie ein seltenes Gut, in immer größerem Maße werden sie zwangsläufig durch Annahmen ersetzt. Die hohe Kunst besteht dann nicht mehr darin, fleißig kurzlebige Fakten zu finden und zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen, sondern die besten Annahmen zu treffen. Und wie soll man wissen, was das Beste ist?

Denn auf welcher Basis auch immer die Entscheidung getroffen werden soll, die Komplexität der Abhängigkeiten und Einflüsse machen kausale Schlussfolgerungen zu einem Ratespiel ohne Publikumsjoker. Eine ganzheitliche, intuitive Betrachtung der Situation ist hier als Ergänzung wertvoll. Leider keine Paradedisziplin des vorwiegend analytisch-zerlegend arbeitenden Verstands.

Je ungewisser, sprunghafter und vielschichtiger unser Kontext ist, desto wertvoller ist es, neben dem Denken und Reden auch intensiv ins Spüren zu kommen. Im Körper und in den Emotionen steckt Orientierung, die die durchdachtesten Pläne in den Schatten stellen kann. Oft spüren wir, worauf es bei unseren Entscheidungen ankommt. Die Intuition gibt uns Entscheidungshilfe jenseits des rationalen Verstandes.

 

Was hat es mit unserer inneren Stimme auf sich? Und kann man sie trainieren? Im zweiten Teil dieses Blogbeitrags erfahrt Ihr es.

 

Fotoquelle: Unsplash.com

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