Unser Reiseziel – Was ist überhaupt dieses agil?

Blogreihe zum Herausgeberwerk
"Agile Organisationen" Teil 2

 

Auf unserer Agilitätsentdeckungsreise wollen wir jetzt erst einmal Klarheit schaffen, um den Begriff „Agilität“ nicht als Buzzword zu verschleißen. In unserem letzten Blogeintrag konntest Du bereits lernen, was agile Haltung bedeutet. Dein Wille zur agilen Haltung ist vorhanden, denn Du hast Dich entschieden hast diesen zweiten Beitrag zu lesen. Top! Somit herzlich Willkommen an Board – wir freuen uns über jeden Mitreisenden!

Die große Reise steht nun vor der Tür. Bloß – Womit fangen wir an? Bevor wir irgendetwas packen können oder uns auf den Weg machen, brauchen wir natürlich (wie in jedem Projekt, Sprint oder Urlaub) zuerst unser Ziel. Hiermit wollen wir deswegen klären, wo es überhaupt hingeht, wenn die Richtung Agilität heißt.

Auf der Suche nach einer Definition zu Agilität (im Kontext von Management)

Erster Eintrag bei Google: Wikipedia.

Agilität ist ein Merkmal des Managements einer Organisationflexibel und darüber hinaus proaktiv, antizipativ und initiativ zu agieren, um notwendige Veränderungen einzuführen.

Aha. Das klingt erstmal simpel. Und das war’s schon?

Zweiter Eintrag bei Google: Haufe.de. Hier wird es schon komplizierter. In Anlehnung an Talcott Parsons beschreiben sie Agilität als

die Fähigkeit eines Systems, auf die sich verändernden äußeren Bedingungen zu reagieren (Adaptation), Ziele zu definieren und zu verfolgen (Goal Attainment), Kohäsion (Zusammenhalt) und Inklusion (Einschluss) herzustellen und abzusichern (Integration) und grundlegende Strukturen und Wertmuster aufrechtzuerhalten (Latency).

und treffen anschließend die Unterteilung in Agile Manufacturing, Agile Softwareentwicklung und Agile Organisation.

Puh – worauf haben wir uns da bloß eingelassen? Und das sind nur Beispiele aus einer Bandbreite von eher knapp und allgemein gehaltenen bis hin zu sehr differenzierten Definitionen. Nach Durchforstung sämtlicher historischer und empirischer Ansätze, die wir ausführlicher in unserem Buch beschreiben, kam die Erkenntnis: Es gibt nicht den einen Dschungel bzw. das eine einheitliche Verständnis von Agilität in Unternehmen. Aber, was haben wir erwartet? Eigentlich logisch – wie auch bei einem Reiseziel, verbindet jeder mit einem Land oder Ort ganz unterschiedliche Erfahrungen und beschreibt es anders. Dennoch können wir grundlegend unterscheiden zwischen einer Wüste und einem Dschungel – Egal,  wer es beschreibt und welche(r) konkret gemeint ist. Beispielsweise Sand und Trockenheit vs. Bäume und hohe Luftfeuchtigkeit. Die grundlegenden Schwerpunkte aller „agilen“ Beschreibungen haben wir somit auch ausfindig machen können und für Dich herausgefiltert:

Zeit, Kosten, Kompetenz, Flexibilität und Qualität.

Immerhin etwas. Das ist doch gar nicht so kompliziert, daraus eine einheitliche Definition zu machen, oder? Das Problem ist nur, dass Agilität und agile Transformation komplex ist. Es gibt keinen gesetzten Endzustand. Ein Iterieren gehört zu Agilität dazu. Durch neue Marktbedingungen entwickelt sich auch das agile Organisationsmodell schrittweise immer weiter. So kann eine agile Organisation in der Zukunft ganz anders aussehen als heute. D.h., es gibt keine kausalen Schlüsse, welche Merkmale dauerhaft Agilität beschreiben.

Ok, und wieso lese ich das Ganze dann hier? Für eine Reise in ein noch sehr unscharfes Etwas? Nein.


Scharf sehen mit dem HR Pioneers Fernglas

Wir haben uns in den letzten Jahren viel mit Agilität in Unternehmen und von Menschen auseinandergesetzt. Mithilfe des Trafo-Modells haben wir Merkmale in allen Dimensionen definiert, welche agilen Unternehmen helfen in der aktuellen Zeit bei steigender Dynamik und Komplexität optimale Flexibilität zu bieten, um ihren Herausforderungen mit Kompetenz und Qualität zu trotzen.

Strategie

  • Ouside-in Denkweise. Der Kunde steht im Mittelpunkt des Interesses, Denkens und Handelns. Das Management-Team schärft den Fokus auf die Kundenzentrierung. Wirtschaftlicher Erfolg entsteht als Konsequenz aus der Schaffung des Kundennutzens.
  • Ein stark partizipativ gestalteter Strategie-Entwicklungsprozess. Alle wesentlichen Kennzahlen sind auch für die Mitarbeiter transparent.

Struktur

  • Eine Ablauforganisation. Die Aufbauorganisation ist komplett Geschichte.
  • Ausrichtung auf Teams statt Einzelpersonen bzw. Führungskräfte. Die volle Orientierung am Kunden lässt dabei oft ein Peach-Modell entstehen.

Prozess

  • Implementation agiler Prozesse in der ganzen Organisation. Der Kunde wird in die Prozesse eingebunden. Die Teams übernehmen ihm gegenüber die Verantwortung.
  • Arbeit im Sinne des „Pull-Prinzips“. Durch starke Selbstorganisation und -verantwortung kann als Organisation schneller und besser auf die Kunden- und Marktbedürfnisse reagiert werden.

Führung

  • Verteilte Führung auf mehrere Schultern: Den Scrum Master, den Product Owner, das Team.
  • Empowered Leadership. Mitarbeiter werden ermächtigt bestimmt Dinge selbst zu entscheiden und selbstverantwortlich zu handeln.

HR-Instrumente

  • HR als Katalysator. Viele bisherige HR-Aufgaben übernehmen nun die Teams, weil sie dort schneller und zielgerichteter gelöst werden können statt HR als Mittelmann zu nutzen (z.B. Recruiting oder Mitarbeiterentwicklungsgespräche).
  • HR unterstützt strukturell. Es arbeitet an der organisationalen Weiterentwicklung mit und schafft qualitative Rahmenbedingungen für die Teams zur Durchführung der bisherigen HR-Aufgaben.

Kultur

  • Vertrauen. Dadurch können die Mitarbeiter selber Entscheidungen z.B. bezüglich ihrer Urlaubszeiten und Weiterbildungskosten im Sinne der Organisation treffen. Dies ersetzt viele Richtlinien und Regeln.
  • Feedback- und Fehlerkultur. Fehler werden als Chance verstanden daraus zu lernen. Dabei sollen Fehler nicht leichtfertig hingenommen werden, sondern eben nur einmal gemacht werden. Gleichzeitig hilft das iterative Vorgehen frühzeitig Fehler zu machen bzw. auch zu sehen, sodass gegengesteuert werden kann.

Eine Agile Organisation lässt sich somit nur mehrdimensional beschreiben. Aufgrund der inflationären Nutzung von Agilität als Buzzword, erleben wir immer wieder, dass Unternehmen auf uns zu kommen, weil sie agil werden wollen. Diese rudern dann jedoch oft zurück, wenn sie begreifen, welche ganzheitlichen Konsequenzen das mit sich bringt.

 

Wie stark Du mit uns in Richtung Agile Organisation gehen möchtest, entscheidest dabei immer Du und Deine Organisation selber. Auf unserer Reise gehen wir schrittweise in Richtung Agilität und du kannst jederzeit Halt machen, was für Deine individuelle Situation, Deine Branche, Deine Historie sinnvoll ist. Ermittle mit Hilfe unseres Buches deinen aktuellen Reifegrad und welche „Zwischenlevel“ es auf den einzelnen Dimensionen gibt.

 

Bestellung via:

 

Du weißt jetzt wo es hingeht und willst endlich aufbrechen?
Dann sei gespannt auf die weitere Blogreise. Als nächstes bestimmen wir unser Startdatum. Wir müssen schließlich den richtigen agilen Zeitpunkt finden, wo auch alle Pioniere mit an Bord sind.

 

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