„Wer in der Mitte hüpft und ein Pferd hat, ist der Chef!“

Samstags um 10 Uhr habe ich mit meinen beiden Kindern Kinderturnen. Es ist immer wieder herrlich, mit welcher Leidenschaft Kinder spielen, welche Ideen sie haben und mit welcher Kreativität sie Spiele erfinden. Im aktuellen Alter meines Sohnes ist es immer wichtig in sämtlichen Konstellationen mit den anderen Jungs zu klären, wer der Chef ist. Sie hüpften alle auf einer großen Matte mit Plüschtieren und mein Sohn rief: „Wer ein Pferd hat und in der Mitte hüpft ist der Chef!“. Ich habe herzlich gelacht, weil es mich doch auch irgendwie an den Unternehmensalltag erinnerte. 

plschpferd freisteller

Ist nicht manchmal in Ihrem Unternehmen auch der oder diejenige der Chef, der das Pferd hat und in der Mitte hüpft?
Wie sieht denn heute häufig Führung aus?

Es sind diejenigen Chef, die ein „Pferd“ haben – also besondere Privilegien: Bürogröße, Anzahl der Fensterfronten im Büro, die freie Wahl der Farbe des Firmenwagens, der exklusive Zugang zu dem Meetings mit den wirklich „wichtigen“ Informationen oder der tolle Titel. Chefs definieren sich häufig über die Dinge, die die Mitarbeiter nicht haben (dürfen). Wie beim Kinderturnen eben das Pferd.

Vielleicht sind es nicht immer nur offensichtlich benannte Statussymbole, sondern vielmehr die verdeckten Muster: Es ist doch schön gefragt und gebraucht zu werden. Wie doof, wäre es denn, wenn die Mitarbeiter den Chef nicht mehr um Rat fragen würden? Wenn der Chef beobachtend im Meeting sitzt und alle darauf warten, bis er was sagt, an dem sich alle anderen orientieren können.

Sie sind der Mittelpunkt, in der Mitte und am hüpfen – und die anderen hüpfen nach Ihnen. Sie animieren die Mitarbeiter zum Mithüpfen mit Bonussystemen. Sie bekommen Ärger von Ihrem Chef, wenn nicht alle genug hüpfen oder hoch genug hüpfen und die Ergebnisse nicht stimmen. Sie hüpfen, wenn die Geschäftsführung anruft und sie hüpfen und hüpfen. So ist´s brav.

Wie haben es die Kinder beim Kinderturnen gelöst? Sie haben meinem Sohn das Pferd weggenommen und ihn umgeschubst. Und das wäre in vielen Unternehmen auch manchmal aus Sicht der Mitarbeiter eine angenehme Lösung: „Mach mit oder geh zur Seite“. Häufig werden die Chefs eben nur als Hindernisse wahrgenommen, die die Mitarbeiter von dem Abhalten, was sie am liebsten tun würden: Selbstorganisiert Ergebnisse für den Kunden schaffen.

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