Die hohe Kunst, zu verbinden – Kommunikationskompetenz

„Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Dies ist das erste der fünf pragmatischen Axiome, die der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick seinerzeit prägte. Demnach ist jedes menschliche Verhalten eine Form der Kommunikation. 

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen beim Arzt im Wartezimmer. Ihnen gegenüber sitzt eine Dame, die regungslos auf ihrem Stuhl sitzt und vor sich hin starrt. Man könnte argumentieren, dass sie nicht kommuniziert. Allerdings strahlt sie durch ihr Verhalten  aus, dass sie keinen Kontakt wünscht und kommuniziert auf diese Weise doch.

Wenn man bedenkt, dass wir Menschen somit jederzeit kommunizieren, wird deutlich, wie wichtig ist, Kommunikation auch tatsächlich zu beherrschen und Kommunikationskompetenz zu besitzen. 

Doch was gehört dazu, um tatsächlich kompetent im Bereich Kommunikation zu sein und was erfordert Agilität hier von uns? Wenn man sich auf die Definition von Canale und Twain bezieht, gliedert sich kommunikative Kompetenz in grammatikalische Kompetenz, also die Beherrschung von Grammatik, Wortschatz, Orthographie, etc.; in soziolinguistische Kompetenz, die Fähigkeit, in Abhängigkeit des sozialen, situativen und kulturellen Kontexts entsprechend kommunizieren zu können; in Diskurskompetenz, also grammatische Formen und Bedeutung so miteinander zu verbinden, dass Texte und Diskurse entstehen; und in strategische Kompetenz, die Fähigkeit jene verbalen und nonverbalen Kommunikationsstrategien anzuwenden, die zum Tragen kommen, wenn Kommunikation zusammengebrochen ist.

Start-Up Business Team bei Diskussion

All dies sind allerdings Grundvoraussetzungen, damit Kommunikation überhaupt gelingt, unabhängig vom Setting oder des Hintergrunds der Beteiligten. Ob in der Freizeit, im Job, auf der Straße, in der Familie: Kommunikation muss in diesen Grundzügen beherrscht werden, um ein möglichst reibungsloses Zusammenleben zu ermöglichen. 

Dass es hin und wieder doch zu erheblichen Kommunikationsstörungen kommt, kann auch damit zu tun haben, dass es bei Kommunikation sowohl einen Sender, als auch einen Empänger der Botschaft gibt. Wenn man der Argumentation des oft zitierten Schulz von Thun folgend hierzu feststellt, dass die Botschaft auf insgesamt vier Ebenen wirkt, wird erkennbar, warum es mit der Kommunikation bisweilen doch nicht ganz einfach ist. Neben der Sachebene (Worum geht es eigentlich?) schwingt in einer Botschaft immer auch ein Beziehungsaspekt mit (Wie stehen Sender und Empfänger zueinander und welche Rolle spielt das in diesem Zusammenhang?). Darüber hinaus ist immer auch ein Appell (Was will der Sender mit dieser Aussage vom Empfänger?) und eine Selbstaussage (Was sagt die Botschaft über den Sender aus?) vorhanden. Implizit werden die Botschaften auf allen vier Ebenen gesendet und auch empfangen und hier kann es zwischen Sender und Empfänger zu Missverständnissen führen.

Trotz dieser Fallstricke, die Kommunikation mit sich bringt, ist sie die Grundvoraussetzung, um Menschen miteinander zu verbinden.

Chrom Network

Im agilen Setting, in dem Menschen nun intensiv miteinander zu tun haben, im Team an Lösungen arbeiten sollen, gibt es eine große Notwendigkeit für funktionierende Kommunikation. Darum wollen wir jetzt genauer darauf schauen, was für eine funktionierende Kommunikation insbesondere im agilen Kontext bedeutsam ist, wie sich also AGILE Kommunikationskompetenz  unter Beweis stellt.

Soziolinguistische Kompetenz gilt es auch im agilen Kontext zu zeigen. In agilen Teams und Unternehmen arbeiten oft Menschen aus unterschiedlichen Hierarchien und Funktionen, mit unterschiedlichen fachlichen Backgrounds miteinander. Insbesondere Führungskräfte sind hier gefragt, diese Menschen zu verbinden und in einen erfolgreichen kommunikativen Austausch zu bringen. In einem cross-funktionalen Team, so wie es sie im agilen Kontext häufiger gibt, ist es wichtig, mit allen Beteiligten auf Augenhöhe kommunizieren und die jeweilige „Sprache“ der einzelnen Bereiche zu beherrschen.

Klarheit und Transparenz sind ebenso wichtig. Im agilen Kontext passiert nichts mehr hinter verschlossenen Türen, umso wichtiger ist es, diese Linie auch in der eigenen Kommunikation zu unterstützen. Informationen zu teilen ist die Basis, hierbei entstehende mögliche Unklarheiten auszuräumen und ein gemeinsames Verständnis zu erzeugen entscheidendes Merkmal agiler Kommunikationskompetenz.

Kommunikation ist keine Einbahnstraße, und so ist auch das Zuhören eine wesentliche Qualität. Insbesondere das AKTIVE Zuhören ist im agilen Kontext ein nicht zu unterschätzender Skill. So lässt man sich beim aktiven Zuhören auf seinen Gesprächspartner ein, bringt diesem und dem Gesagten Respekt und Wertschätzung entgegen. Gleichzeitig sorgt aktives Zuhören dafür, dass dem Gesagten auch der nötige Raum gegeben wird, um zu wirken, da das aktive Zuhören auch Ausreden Lassen beinhaltet. Aktives Zuhören impliziert Kommunikation auf Augenhöhe und somit genau das, was in einer agilen Organisation und in einem agilen Team ankommen sollte.

Worauf es bei der Arbeit in agilen Teams außerdem ankommt, lesen Sie beim nächsten Mal!

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.

Formular zurücksetzenBeitragskommentare