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Alter Wein aus neuen Schläuchen oder wirklich „Besser leben. Anders arbeiten.“?

Auch der Dezember war ein Monat voller innovativer Netzwerkformate. Mit dazu gehörte die von Xing organisierte New Work Session unter dem Motto „Unternehmenskultur“. Bernd Rutz hielt eine Session zu „Motiviert trotz Führung – Die Zeit der Helden ist vorbei“.

AliMahlodji_XingNewWorkSessionLos ging es mit Ali Mahlodji von watchado und seiner inspirierenden Keynote zum „Putsch der Hierarchiepyramide und warum Führungskräfte sich aus dem Spiel nehmen müssen“. Dank seiner lebendigen Art zu erzählen und aufgrund seiner bewegenden Lebensgeschichte brachte Ali authentisch rüber, wieso sich die Unternehmenskultur von Unternehmen verändern muss. Aufgewachsen als iranischer Flüchtling in Wien hat er sich vieles sehr hart erarbeiten müssen. Sein Unternehmen watchado ist das Ergebnis aus Jugendträumen, Fleiß, Ehrgeiz, der permanenten Suche nach Sinn und einer Prise Unangepasstheit. Nachdem er sprichwörtlich in einem großen Unternehmen sich zum „A…“ hochgearbeitet hatte, begann er zu realisieren, dass er so in dieser Unternehmenskultur nicht weitermachen kann. Eine Unternehmenskultur, die darauf basiert, dass man sich durch Fleiß und Egomentalität nach oben durchboxt und nach unten tritt. So stieg er aus und realisierte seinen Traum anderen Menschen dabei zu helfen ihre Berufung zu finden: mit Kurzvideos erzählen Menschen von ihren Aufgaben und warum sie das gerne tun, was sie tun. Ali Mahlodji gab ein paar Merksätze mit auf den Weg, wenn es darum geht seine Unternehmenskultur fit für die Zukunft zu machen: „Denke an den Kuss, wenn die Dinge zu komplex werden“ frei nach dem KISS Prinzip (keep it short and simple). Oder auch ein (mahnender) Satz zu HR: „HR ist Schicksals Business – verschwendet keine Lebenszeit (Anderer)“.

Das Thema „Gehälter“ hat uns ja bereits auf der agile stars begleitet. Bei der New Work Session tauchte es in Form einer Session von Julian Vester, Gründer von elbdudler, wieder auf. Und auch dieses Mal gab es nicht „DIE“ Lösung dafür. Elbdudler hat seine Gehälter transparent gemacht und entscheidet auch in einem transparenten System wie Gehaltsentwicklungen vonstatten gehen. Julian Vester brachte sehr offen ein, dass sie nun seit zwei Jahren im Selbstversuch stehen – bislang mit guten Erfahrungen. Jedoch spürt er auch, dass dieser hohe Grad an selbstorganisierter Gehaltsbestimmung bei einigen Mitarbeitern als anstrengend empfunden wird. Selbstorganisierte Kulturen sind nicht immer die bequemeren Kulturen und für einige Mitarbeiter ist das alles andere als eine Kuschelkultur. In der Diskussion wurden durchaus auch kritische Erfahrungen eingebracht. So hatte ein Unternehmen auch transparente Gehälter eingeführt. Als es dem Unternehmen dann jedoch mal nicht so gut ging, war schnell Schluss mit dem kollegialen Verhalten und der selbstorganisierten fairen Haltung untereinander. Alle verzichteten auf Gehalt. Als es dem Unternehmen aber wieder besser ging, wurde per Seilschaften entschieden, wer nun wieder mehr erhält. Und schon war es vorbei mit Transparenz, Zufriedenheit und Kollegialität. Das heißt, man muss sich als Unternehmen schon sehr gut überlegen, wie viel Transparenz und Eigenverantwortung Mitarbeiter überhaupt im Gehaltsprozess haben wollen. Und es ist wichtig ihnen die Konsequenzen daraus deutlich zu machen und auch zu überlegen, wie damit umgegangen wird, wenn das Unternehmen mal keinen Gewinnzuwachs hat.

Es gab natürlich noch viele weitere spannende Sessions, z.B. zum Thema „Cultural Fit/Misfit“ von Lufthansa oder die „Innovationskultur“ von Matthias Schirrmacher, Merck Group, oder auch Daniel Kofler, Gründer von bikeCitizens, mit der Vier-Tage-Woche im Praxistest.

BerndRutz_Xing_MotivierttrotzFuehrungIn seiner Session „Motiviert trotz Führung – Die Zeit der Helden ist vorbei“ ging Bernd Rutz darauf ein, wie externe Faktoren der Globalisierung, Dynamik, Digitalisierung und Demografie dafür sorgen, dass sich Unternehmen dringend verändern müssen. Ihre Kultur muss weg vom Kopf hin zur Basis gedacht werden. Es zählt nicht mehr das hierarchiegetriebene Führungsmodell sondern ein Führungsverständnis mit dienender Haltung. Denn wer kann besser bestimmen, was der Kunde will oder auch nicht will? Der Mitarbeiter, der am nächsten am Kunden dran ist – und oftmals nicht die Führungskraft! Diesen Mitarbeitern muss geholfen werden ihre Potentiale bestmöglich zu entfalten. Und das heißt eben nicht die Mitarbeiter von heute auf morgen blind loslaufen zu lassen, sondern sie in ihrer Entwicklung hin zu selbstorganisiertem Arbeiten zu begleiten. So kann es beispielsweise hilfreich sein, dass man sich im Unternehmen eine Vertrauensperson sucht, die bereits gute Führungserfahrung hat und sie als Coach für seine eigene Führungsentwicklung nimmt. Oder man fasst Mut und holt sich von dort und seinen Kollegen Feedback. Apropos Feedback, auch Feedback muss gelernt werden. Wie wäre es z.B. mal mit einer kurzen „Wie gebe ich konstruktives Feedback“ Session, die einer Ihrer Mitarbeiter vorbereitet? Im Alltag helfen auch spielerische Instrumente dabei, z.B. unser selbst entwickeltes Kartenset Pioneer Cards „Mensch entwickle Dich“, mit dem spielerisches Feedback möglich ist (kurzer Werbeblock muss mal sein, da so viele unserer Kunden vom Einsatz unserer Pioneer Cards begeistert sind;-)).

Austausch_XingNewWorkSessionMein Fazit nun zur Xing New Work Session: Ein spannendes abwechslungsreiches Netzwerkformat, welches frisch daher kommt. Der Austausch mit den anderen Teilnehmern war sehr inspirierend und wertvoll war dabei auch die Mischung aus Start-Up’s und Konzernen. Ebenso konnte ich ein Gefühl dafür bekommen, welche Themen gerade im Markt von Bedeutung sind und was die einzelnen Menschen dabei so umtreibt. Die Arbeitsflexibilität ist ein Kernthema und zugleich größte Diskrepanz dabei zwischen dem, was Arbeitgeber wollen und was Arbeitnehmer anbieten. Laut Kununu Analyse wollen circa 55% der Arbeitnehmer an erster Stelle flexible Arbeitszeiten haben, direkt danach mit knapp 35% Home Office Möglichkeit. Dem Gegenüber bieten aber nur ca. 25% der Arbeitgeber flexible Arbeitszeiten an. Auffällig dabei: es geht den Arbeitnehmern also nicht (mehr) in erster Linie um Gehalt, Boni, Sicherheit oder Status! Es geht um „besser leben. Anders (flexibel) arbeiten!“. Und das, liebe Unternehmen, ist doch gar nicht so schwer umzusetzen, oder?

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Ein Kommentar zu

“Alter Wein aus neuen Schläuchen oder wirklich „Besser leben. Anders arbeiten.“?”

  1. Thranberend

    16. Dezember 2015

    Hallo und danke für die Zusammenfassung des Xing Events.

    Ja, manches sollte wirklich gut machbar für Unternehmen sein.

    Im Personalmagazin stand dieser Tage, dass die ganze Thematik der NewWork noch lange nicht in allen Unternehmen angekommen ist. Ich denke auch nicht, dass das jemals so sein wird. In meiner Wahrnehmung passt das Verständnis der NewWork auch nicht zu jedem Unternehmen!

    2015 waren die HR Diskussionen extrem NewWork lastig…ich würde mir wünschen, dass im kommenden Jahr auch einmal wieder andere HR Themen besprochen werden.

    Herzliche Grüsse

    Angélique Thranberend

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