Berlin Calling – 1. Agile HR Stammtisch

Der erste Agile HR Stammtisch fand gestern bei der Tui.com in Berlin statt, vielen Dank nochmal an dieser Stelle. Unweit des schönen Gendarmenmarktes versammelten sich 10 Teilnehmer mit großem Interesse und ebenso großer Neugier, um sich zu HR Themen im agilen Umfeld auszutauschen. Einige Teilnehmer sind bereits in agil arbeitenden Unternehmen tätig, andere sind dabei in Ihren Unternehmen agile Methoden zu implementieren.

Nach der Vorstellungsrunde, ging es damit los die Fragestellungen der Teilnehmer zu sammeln und diese danach per Dot-Voting für den Abend zu priorisieren.

Anforderungen an die Führungskraft im agilen Kontext

Damit starteten wir den Austausch. In diesem Zusammenhang kam vor allem die Frage auf, was verändert sich eigentlich inhaltlich, bezogen auf Verantwortlichkeiten und Rolle der Führungskraft, wenn es einen Scrum Master und ein selbstorganisiertes Team gibt? Klar ist aus der Diskussion geworden, Führung ist wichtig und kann nicht einfach eingestampft werden. Klar ist aber auch, dass sich Aufgaben und Anforderungen, was eine gute Führungskraft im agilen Umfeld ausmachen, ändern. Wie kann ich beispielsweise als Führungskraft noch nah genug an meinen Mitarbeitern sein, wenn ich operativ raus bin? Hierzu haben Teilnehmer Ihre Erfahrungen zum Thema Feedbacksysteme ausgetauscht, dabei wurden auf der einen Seite Peer-Reviews als positiv wahrgenommen, auf der anderen Seite aber auch auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die es mit sich bringt, wenn sich die Führungskraft für fachliche Themen auf Einschätzung und Beurteilung anderer verlassen muss, um die Leistung ihres Mitarbeiters zu beurteilen.

Abgesehen davon bleibt auch die Frage, wer kümmert sich um das Team und wer ist verantwortlich für die Entwicklung der einzelnen Teammitglieder? Auch hier gab es Erfahrungswerte. Den Scrum Master als Teamcoach und somit Verantwortlichen für die Teamentwicklung einzusetzen ist durchaus ein erfolgsversprechendes Modell. Er sollte sich auch gemeinsam mit dem Team das Skill-Set ansehen und daran arbeiten, wie sich das Team verbessern und weiterentwickeln kann. Zusätzlich kann sich dann die jeweilige Führungskraft, um den einzelnen Mitarbeiter kümmern und mit ihm/ ihr den aktuellen Stand sowie die nächsten Entwicklungsstufen anschauen. Wo will der Mitarbeiter hin, für welche Themengebiete begeistert er sich und wie kann das die Führungskraft so fördern, dass das Unternehmen und der Mitarbeiter gleichermaßen davon profitieren?

Bei diesem Austausch wurde besonders deutlich wie wichtig eine klare Definition der Rollen im agilen Umfeld ist und vor allem die Aufteilung der entsprechenden Aufgaben sowie Verantwortlichkeiten, die damit verbunden sind.

Wie könnten optimale Vergütungsmodelle in einem agilen Umfeld aussehen?

Selten fangen Unternehmen mit diesem Thema auf der grünen Wiese an, um so schwieriger ist es also, wenn es bereits bestehende und organisch gewachsene Vergütungsmodalitäten gibt. Einfach alles offen legen, war die Einschätzung von einigen Teilnehmern, mag für kleine Start-Ups selbstverständlich oder sogar hilfreich sein. Wächst ein Unternehmen jedoch und die Strukturen werden komplexer oder es gibt einen Betriebsrat, ist Transparenz entweder gar nicht in dem Maße möglich oder im Zweifel sogar kontrakproduktiv für das Betriebsklima.

Vor allem das Thema Bonuszahlungen bereitet Kopfzerbrechen und das meistens schon vor der Implementierung agiler Methoden. Doch bei den unterschiedlichen Zielen: Unternehmensziele, Teamziele und individuelle Ziele, bleibt vor allem im agilen Kontext der berechtigte Zweifel, wie soll das bei sich ständig verändernden Zielen denn noch zusammen passen? Erfahrungen zur Verbindung von Teamzielen mit ausgewählten Unternehmenszielen wurden ausgetauscht, die als Grundlage zur Zielerreichung dienen sollten. Das Ergebnis war trotzt großen Engagements alle Ziele regelmäßig zu aktualisieren eher ernüchternd. Schlussendlich ist es sehr viel Arbeit und die Frage der Verhältnismäßigkeit von Nutzen und Aufwand stellt sich.

Am Ende also komplette Abschaffung von Boni? Ja. Das kann auch eine erfolgsversprechende Option sein. Im besten Fall gleich das zahlen was der Mitarbeiter verlangt, denn die Erfahrung teilten auch einige Teilnehmer, der Effekt von Boni ist sehr schnell verflogen. Statt dessen sind die Führungskräfte gefragt. Seine Mitarbeiter so gut zu kennen, dass man weiß womit man Ihnen eine Freude machen oder Wertschätzung ausdrücken kann, die nicht mit der Optimierung des Bankkontos zu tun haben. Dafür heißt es, sich Zeit nehmen und fragen, fragen, fragen…

Weiterbildung im Rahmen der Agilität – Für HR und für wen noch?

Anschließend an das vorherige Thema ist finanzierte Weiterbildung natürlich auch eine adäquate Möglichkeit in seine Mitarbeiter zu investieren und Wertschätzung deutlich zu machen.

Ein Unternehmen entscheidet sich für die Einführung von agilen Methoden. Sollten HR und das Management z. B. auch Scrum Schulungen erhalten? Einhellig Meinung: Ja, unbedingt! Natürlich ist die Frage, was das Unternehmen sich leisten kann und auch will, aber die Erfahrung einiger Teilnehmer zeigt deutlich, wer verstanden hat, wieso dieses Framework auch etwas mit seiner eigenen Arbeit zu tun hat und welche Konsequenzen das für die eigenen Aufgaben mit sich bringt, wird sich deutlich schneller in diesem Veränderungsprozess wieder finden. Besser noch, Widerstände müssen ggf. erst gar nicht entstehen, sondern werden schon zu Beginn abgefangen, nicht nur in der Softwareentwicklung. Eine wichtige Erkenntnis zur Scrumeinführung ist die, dass das Management sich der Konsequenzen von Agilität bewusst sein sollte. Im Idealfall von Anfang an, zumindest aber im Laufe der Implementierung. Darauf gefasst zu sein, dass es sich nicht nur um eine prozessuale Veränderung in der Softwareentwicklung handelt, sondern dass es vor allem einen strukturellen und kulturellen Wandel des Unternehmens bedeutet, wenn man sich für Agilität entscheidet, ist wichtig.

Fazit:

Ein rund um gelungener Auftakt für den ersten Agile HR Stammtisch in Berlin. Selbstverständlich haben wir im ganz im Sinne des Inspect and Adapt auch Verbesserungsvorschläge für das nächste Mal gesammelt. Es bleibt eine große Vorfreude und ein großer Wissenshunger auf den Austausch mit Gleichgesinnten für den nächsten Agile HR Stammtisch. Dieser wird ab sofort alle 4 Wochen statt finden.

Ich freue mich schon sehr auf‘s nächste Mal, wenn es wieder heißt Berlin Calling!

 

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