Vorsicht Scrum – Nur für Erwachsene Teil 1/4

In vielen Unternehmen wäre es wichtig gewesen, mit der Einführung von Scrum ein großes Warnschild aufzustellen oder wie bei Medikamenten auf die Risiken und Nebenwirkungen hinzuweisen.

Bei den meisten Unternehmen wird Scrum eingeführt, um den Softwareentwicklungsprozess effizienter und produktiver zu gestalten. Nach einem Jahr treten jedoch die ersten größeren Nebenwirkungen auf.

Wir haben die falschen Leute

Häufig hören wir von Kunden, dass sie sich nicht sicher seien, ob sie die richtigen Mitarbeiter haben, um mit agilen Methoden erfolgreich(er) zu sein. Bei Vorträgen begegnet mir immer wieder die Frage, ob agile Methoden für jeden Mitarbeiter geeignet seien.

Grundsätzlich habe ich zwei Antworten hierzu:

a.) Meistens liegt es weniger an den Mitarbeitern als vielmehr an den Führungskräften.

Denn für die Führungskräfte ändert sich am meisten – es hat ihnen nur vorher niemand gesagt.

Bisher waren die Führungsaufgaben in einer Rolle gebündelt. Nun werden sie auf vier Rollen verteilt: den Scrum Master, den Product Owner, das Team sowie die Führungskraft, denn einige Führungsaufgaben bleiben wie bisher bei dieser. Hier beginnt das Problem. Die Anforderungen an Führung ändern sich grundlegend.

Wenn für die Führungskraft viel Unklarheit besteht, ist die Unklarheit bei den Mitarbeitern im Normalfall noch größer. Bei vielen Mitarbeitern und ganzen Entwicklungsteams besteht durch diese Unklarheit eine hohe Unsicherheit: Was ändert sich für mich? Welche Entwicklungsperspektiven habe ich? Bin ich jetzt nur noch im Hamsterrad gefangen? Warum muss ich auf einmal Verantwortung übernehmen (vor allem für Dinge, für die ich gar keine Verantwortung übernehmen will)?

Um Mitarbeitern und Teams Orientierung zu geben, ist es von essentieller Bedeutung, dass die Führungskraft Klarheit schafft und vorallem auch lebt.

 

b.) Scrum basiert auf Werten, die nicht mit den Werten eines jeden Mitarbeiters (und auch jeder Führungskraft) sofort kompatibel sind.

Scrum ist mehr als ein Entwicklungsprozess – er beginnt mit der Einführung eines kulturellen Veränderungsprozesses. Dieser Prozess tangiert sehr stark die Werte des Unternehmens und auch die Werte der Mitarbeiter. Auf einmal rücken Werte wie Transparenz, Vertrauen und Respekt wesentlich stärker in den Vordergrund.

Meine Empfehlung: Schreiben Sie Ihre Werte einmal auf. Welche Werte sind für Sie wichtig? Bringen Sie diese Werte in eine persönliche Wertehierarchie. Wenn Sie nun Ihre Top-5-Werte haben können Sie diese mit den agilen Werten vergleichen. Im Übrigen eignet sich diese Methode auch als Übung, die Führungskräfte mit ihrer Mitarbeitern oder der Scrum Master mit dem Team durchführen kann.

Und ja – es kann sein, dass Ihre persönlichen Werte mit den agilen Werten nicht übereinstimmen. Im ersten Schritt ist es zunächst wichtig, das Bewusstsein für die eigenen sowie agilen Werte zu schaffen. Erst wenn dieses Bewusstsein vorhanden ist, können die nächste Schritte geplant und besprochen werden.

Fazit: Das Arbeiten mit agilen Methoden will gelernt sein. Nicht nur der Prozess muss beherrscht werden, sondern es muss zunehmend Klarheit darüber geschaffen werden, dass es sich um einen Veränderungsprozess handelt, der über den Entwicklungsprozess deutlich hinaus geht.

 

 

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