Gastbeitrag von Matthias Litz, BeamYourScreen GmbH, Aus dem Leben eines Product Owners

1. Was machen Sie als PO genau?

Als Produktmanager von Mikogo, einer einfach zu bedienenden Desktop Sharing Software, bin ich für die Konzeption, Planung und die Koordination der Produktentwicklung verantwortlich. Um neue  Anforderungen an unsere Web-Kollaborations-Lösungen zu ermitteln, stehe ich im ständigen Dialog mit verschiedenen Stakeholdern und arbeite eng mit dem Development Team zusammen. Bei der Entstehung neuer Features legen wir viel Wert auf das frühe Einbeziehen von Kundenfeedback, um ein hohes Maß an User Experience sicherzustellen.

 2. Wie sind Sie PO geworden und überhaupt auf die Idee gekommen? Seit 10 Jahren bin ich in der Softwarebranche tätig und habe in einigen Projekten als Software Entwickler gearbeitet. Eines Tages bin ich eher durch Zufall auf Scrum gestoßen als mir eine Aufstiegschance ins Produktmanagement angeboten wurde. Seit dem gelungenen Einstieg in die agile Welt bin ich von dieser Herangehensweise überzeugt und auch in den nachfolgenden Unternehmen Scrum treu geblieben.  

3. Warum können Sie es empfehlen unbedingt PO im agilen Umfeld zu werden?

Scrum stellt dem PO geeignete Ansätze zur Verfügung, um die Produktentwicklung mit knappbemessenen Ressourcen auf den höchstmöglichen Kundennutzen auszurichten. Durch die konsequente Priorisierung der Anforderungen innerhalb des Product Backlog und die prägnante Erfassung von Kundenbedürfnissen in Form von User Stories, kann man allen Beteiligten die Zielsetzung und den zu erwartenden Geschäftswert auf anschauliche Weise vermitteln. Dank der engen Zusammenarbeit bei den Estimation Meetings tritt der PO in einen ständigen Dialog und Wissensaustausch mit dem Team, um die Machbarkeitsfrage für die vorbereiteten User Stories beantwortet zu bekommen. Die Resultate aus den Besprechungen bringen neben den eigentlichen Aufwandsschätzungen sehr oft weitere Vereinfachungen, Ergänzungen oder neue Erkenntnisse und Abhängigkeiten mit sich. Die Abstimmungen mit dem Team stellen einen der Dreh- und Angelpunkte für die Arbeit des PO dar – denn genau hier werden die Umsetzungspläne geschmiedet und nötigen Gestaltungsspielräume definiert, die bei der agilen Softwareentwicklung den besonderen Reiz ausmachen. Ein weiterer nicht von der Hand zu weisender Vorteil ist die Geschwindigkeit, mit der man dem Endkunden ein funktionierendes Stück Software zur Verfügung stellen kann. Im gleichen Zuge muss man auch bereit dazu sein, Lob und Tadel einzustecken. Im Gegensatz zu traditionellen Entwicklungsmodellen, bei denen man einen vorgegebenen Umsetzungsplan strikt verfolgt, ermöglicht das regelmäßige Abgreifen von Kundenfeedback es dem PO, das Produkt an den wachsenden Anwenderbedürfnissen auszurichten und auf lange Sicht am Markt erfolgreich zu platzieren.  

4. Welche Kompetenzen sollte ein PO aus Ihrer Sicht unbedingt haben?

Als PO muss man sich sehr stark mit seinem Produkt identifizieren können und eine hohe Eigenmotivation und Leistungsbereitschaft mitbringen. Man sollte ein guter Zuhörer sein, um sich ein klares Bild über die tatsächlichen Bedürfnisse und Anforderungen der Stakeholder verschaffen zu können. Einem PO sollte es auf keinen Fall an sozialen Kompetenzen und an Selbstbewusstsein mangeln. Gerade im Umgang mit seinen Mitarbeitern sollte man ein glückliches Händchen haben und in der Lage sein Andere führen und begeistern zu können. Der PO trägt die alleinige Produkthoheit – denn nicht umsonst wird man als single wringable Neck bezeichnet. Neben einem hohen Organisations- und Kommunikationsgeschick sollte man auch hart im Nehmen sein, da man des Öfteren in die Schusslinie der Beteiligten geraten kann und stets eine klare Linie vertreten können muss. Insbesondere wenn es darum geht die Prinzipien des Selbst- und Zeitmanagements vorzuleben, muss der PO allen ein Vorbild sein. Um sich mit den Teammitgliedern verständigen zu können, muss man nicht unbedingt ein Nerd sein, aber man sollte sich ein solides Fachwissen aneignen und über technisches Grundverständnis verfügen. Als PO muss man Kunden, Partnern und Stakeholdern gegenüber stets aussagefähig sein und darf die wesentlichen Ziele nicht aus den Augen verlieren. Das Profil eines hervorragenden PO wird durch Informiertheit über Trends, Mitbewerberprodukte und aktuelle Marktanforderungen abgerundet.

5. Mit welchen Herausforderungen haben Sie als PO jeden Tag zu kämpfen?  

Eine der großen Herausforderungen ist es, den alltäglichen Spagat zwischen der Steuerung der laufenden Entwicklungsaktivitäten und der Verfolgung der großen Visionen zu meistern. Man muss eben das Prinzip verinnerlicht haben, der Informationsflut Herr zu sein und auch zu bleiben. Mithilfe einer geeigneten Strategie muss der PO neue Kundenwünsche, Anmerkungen der Stakeholder und Fragen aus dem Team ordnen, um diese dann überlegt und mit der angemessenen Relevanz anzugehen.   Bei der Definition der Umsetzungsreihenfolge sollte der PO besonders Acht darauf geben, dass er ein ausgewogenes Urteil trifft und hinter diesem steht. Sinnbildlich gesprochen, fallen und steigen Wichtigkeit und Dringlichkeit von Anfragen in der Wahrnehmung der Stakeholder in manchen Fällen so sprunghaft wie sich die Aktienkurse an der Börse entwickeln. Der PO muss sich stets im Klaren darüber sein, dass alle Fäden bei ihm zusammenlaufen und er sich aufgrund der umfassenden Kenntnis der Produktanforderungen auf objektive Bewertungsmaßstäbe berufen muss, um darüber entscheiden zu können, welche Features als nächstes umgesetzt werden.

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