Gastbeitrag von Thorsten Oliver Kalnin, Agile Coach

Wie sieht eigentlich der Alltag eines ScrumMasters und internen Agile Coaches aus und was genau sind ihre Aufgaben? Zunächst sei einmal gesagt, dass sich diese Frage gar nicht in ein oder zwei Sätzen beantworten lässt ohne nicht dabei die eigentliche Frage selbst in Frage zu stellen – gibt es im Leben eines ScumMasters und Agilen Coaches überhaupt so etwas wie einen Alltag? Aus meiner persönlichen Erfahrung muss ich diese Frage ganz klar mit einem ‚Nein’ beantworten!

Ich arbeite nun seit 4 Jahren als ScrumMaster in einem internationalen HealthCare IT Unternehmen und habe mich dabei die vergangenen 2 Jahre mehr und mehr zu einem Agile Coach entwickelt. Während die Rolle des ScrumMasters an sich relativ leicht in Worte zu fassen ist, nimmt man zumindest die Aufgaben welche er laut ‚Drehbuch’ übernimmt, so wird es mit dem Agile Coach schon etwas aufwändiger. Wobei ich eigentlich der Meinung bin, dass sich der natürliche evolutionäre Prozess eines ScrumMasters nahezu ‚zwangsläufig’ in die Richtung eines Agile Coaches fortsetzt. Wohlgemerkt als evolutionären Prozess gesehen. Dies muss jedoch nicht wirklich ‚zwangsläufig’ der Fall sein! Bei mir war es so. Neben den Aufgaben als ScrumMaster habe ich mich mehr und mehr mit weiteren Themen des Agilen Umfeldes beschäftigt, angefangen mit Kanban, TDD oder XP sowie Coaching an sich. Bewusst entschieden Agile Coach zu werden habe ich mich eigentlich nicht. Vielmehr hat mich meine eigene Einstellung, Interesse sowie meine Aufgaben in diese Richtung gelenkt.

Die Rolle des Agile Coach besteht eigentlich aus der Verbindung mehrerer unterschiedlicher Rollen und genau dieses Konstrukt lässt bereits einen Rückschluß auf einige Anforderungen an diesen zu. Neben hoher Flexibilität und einem breiten Fachwissen im Themenbereich ‚Agile’ kommt es auf Kommunikationsstärke, Authentizität, Offenheit, Empathie und Teamfähigkeit an. Um die wichtigsten Eigenschaften eines Agile Coaches kurz zu beschreiben.

Zu den Basis Aufgaben, welche mit unterschiedlichem Schwerpunkt belegt sein können gehören in erster Linie die Bereiche Coaching, Facilitating, Teaching, Mentorig, Transformation Mastery, Business Mastery, Technical Mastery sowie Agile- Lean Practitioning. Zu jedem einzelnen Punkt genau zu beschreiben was diesen Umfasst würde wohl eher ein Buch als einen BlogArtikel in Anspruch nehmen. Und es gibt viele Kollegen aus dem agilen Umfeld welche dies auch tun. Wie man jedoch bereits an diesen Schwerpunkten sehr gut erkennen kann sind die täglichen Aufgaben so vielfältig und different, dass einem eigentlich nie langweilig wird.

Als ScrumMaster betreue ich direkt zwei Teams was an sich schon eine Vollzeitbeschäftigung ist. Angefangen vom Facilitieren der ScrumMeetings bis über den Kontaktaufbau und dessen -haltung zu verwandten Teams mit denen man häufiger Zusammenarbeitet. Darüber hinaus ein Coaching der ProductOwner, des Managements, das Abstimmen und Organisieren mit anderen ScrumMastern und ‚Agilos’ bis hin zur Lobbyarbeit, EinzelCoaching oder auch als Vertrauensperson ergibt sich ein breites Spektrum an täglichem Doing. Natürlich fällt dies nicht alles auf einen einzigen Tag an dem man alle diese Tätigkeiten durchführt.

Neben all diesen Bereichen ist jedoch ebenfalls eine ständige Bereitschaft erforderlich sich weiterbilden zu wollen, neugierig zu sein, Agile Communitys außerhalb desArbeitgebers zu besuchen, sich austauschen oder auf Konferenzen auch mal einen eigenen Vortrag zu halten.

Bei all diesen Tätigkeiten muss ein Agile Coach schon sehr aufpassen dass er sich selbst nicht ‚über-committed’. Die Gefahr hierzu ist groß weshalb es Sinn macht, dass man als Coach auch selbst Coaching von anderen Coaches in Anspruch nimmt. Nicht zuletzt um seine eigene Arbeit zu reflektieren sondern auch um nicht die Balance zu verlieren welche man selbst in der gesamten Organisation versucht seinen Kollegen nahe zu bringen.

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